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 Betreff des Beitrags: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 14:53 
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Guten Tag Karpathos-Freunde,

wir sind wieder zurück von der Insel. Vorzeitig. Urlaubsabbruch!

Nach 12 Jahren wieder einmal nach Karpathos. Mit unseren Freunden. Nennen wir sie Mike und Anna. Die waren zuvor noch nie in Griechenland. Was hatten wir ihnen versprochen? „Nach den drei Wochen werdet ihr sagen, dass die Zeit für Karpathos viel zu kurz war“.

Und dann dies. Wir sind froh, dass wir wieder zu Hause sind. Hab ich noch nie nach einem Urlaub gesagt. Mike und Anna sind jetzt vielleicht immer noch da. Und zwar höchst unfreiwillig! Oder doch schon auf dem Weg nach Hause.

Ihr wollt wissen warum? Na gut. Ihr seid ja scharf auf Erlebnisberichte. Sollt ihr haben.

Irgendwie hatte ich mir kurz vor Urlaubsantritt Probleme mit meinem linken Knie eingehandelt. Keine Ahnung, wie, aber sie waren da. Na ja, dachte ich, drei oder vier Tage Ruhe, dann ist das vorbei. Wir hatten ja einige Wanderungen eingeplant.

Dienstag, 25.5.2010: Von Düsseldorf nach Karpathos. Das lange Sitzen bekommt meinem Knie gar nicht. Auch der zwar kurze, aber steile Ab- und Aufstieg zum Sunset Hotel in Lefkos ist übel. Aber was soll’s. Ab morgen wird‘s sicher besser.

Mittwoch: Einkaufen im Ort. Vollbepackt wieder hoch zum Hotel. Das fühlt sich gar nicht gut an; im Knie. Dann zum Strand. Schwimmen+Schnorcheln geht prima. Heute noch zweimal der Ab- und Aufstieg. Der medizinische Rat tritt zusammen. Die Diagnose wird nach längeren Beratungen gestellt: Entzündung im Knie. Empfohlene Behandlung: Eis-Packs. Ab sofort wird Eis in rauhen Mengen produziert. Im dafür vorgesehenen Behälter aus dem Kühlfach und in leeren Joghurtbechern. Außerdem gibt Annas Reiseapotheke zwei Voltaren her. Die soll ich mir morgen und übermorgen reinschieben. Ich, der Tabletten-Fan. Aber wenn’s hilft.

Donnerstag: Zum Stand, in die Felsen. Ich ramme mit meinen Zehen ganz heftig einen Felsen. Ich kann mal das Ergebnis zeigen:

Bild

Blau ist doch eine schöne Farbe, oder? Die Zehen passen in keine Wanderschuhe mehr. Die (erste) Katastrophe ist da: Aus mit Wandern; wenigstens kurzfristig. Schnorcheln. Das geht und macht Spaß. Gemeinsam mit Mike. Mike und Anna toben im Wasser. Mike taucht. Es knallt im Ohr. Das schmerzt. Zweite Katastrophe: Aus mit Schnorcheln; wenigstens kurzfristig. Also Mike kann laufen, ich nicht. Ich kann schnorcheln, Mike nicht. Echt übel. Na gut, dann mieten wir eben morgen ein Auto, fahren auch nach Pigadia und schaun mal, was es in der Apotheke so alles gibt.

Freitag: Auto gemietet. Pigadia: Rein in die Apotheke. Es gibt tatsächlich was für die Ohren. Nee, nicht auf die Ohren, sondern für die Ohren. Und noch eine Zehnerpackung Voltaren für Walter. Lecker. Schöner kleiner pharmazeutischer Einkaufbummel. Gegen Abend spüre ich schon bei Betätigung der Kupplung mein Knie. Das hatte ich mir so nicht vorgestellt.

Samstag: Ruhetag. Strand. Ohne Belastung geht’s dem Knie gut. Beim Ab- und Aufstieg spüre ich es.

Sonntag: Noch ein Ruhetag. Um das Knie zu schonen. Das geht mir ganz schön auf den Keks. Mike und Ana kommen vom Strand. Mike „hat Rücken“. Und damit beginnt die richtige Katastrophe. Da verblassen meine Knieprobleme völlig. Solche Rückenprobleme befallen Mike von Zeit zu Zeit. Wenn es wieder eine Blockade des Illio-Sakral-Gelenks (so sprach Mike das wenigstens aus) ist, dann wären eigentlich eine Serie von Spritzen und eine Physiotherapie notwendig. Die haben wir hier nicht. Erneut tritt der medizinische Rat zusammen. Eisbehandlung ist wichtig.

Montag: Mike geht’s gar nicht gut. Da wir gestern abend schon ein Auto für die nächsten Tage übernommen haben, geht’s ab nach Pigadia. Aber welchen Arzt sollen wir aufsuchen? Am Besten erst mal ins dortige Krankenhaus. Später hab ich gehört, dass diese Einrichtung „Gesundheitszentrum“ heißt und nicht Krankenhaus. Und einen Vergleich mit einem deutschen Krankenhaus möchte ich auch gar nicht anstellen, obwohl ich nur wenig gesehen habe. Auf unsere Anfrage hin werden wir an einen ziemlich unfreundlich drein blickenden Herrn verwiesen. Dunkler Anzug, Leichenbittermiene. „Ist das derTotengräber?“ fragt Anna leise. Nein, das scheint der Arzt zu sein. Mike schildert auf englisch seine Beschwerden. Und lässt das „Illio-Sakral-Gelenk“ einfliessen. Auf irgendeinem Zettel werden schnell Vor- und Nachname von Mike notiert. Auf einen weiteren Zettel schreibt unser Arzt irgendetwas auf, drückt ihm beide Zettel in die Hand und murmelt kurz: „X-Ray“. OK, die Röntgen-Station ist direkt gegenüber. Deren Personal kommt soeben aus einer kurzen Pause zurück, sodass es bald weitergeht; das ginge bei uns kaum so schnell. Dann wird geröntgt. Aber hier ohne Bleischürze um des Mannes wichtigsten Teile. Mike: Na ja, was solls, Kinder gibt’s eh keine mehr. Wieder zum Arzt. Der murmelt: „It’s the same“. Damit meint er wohl, dass Mikes Diagnose stimmt. Zack zack, gibt’s eine Spritze in den Rücken und ein Rezept für weitere. Die Röntgenbilder werden ausgehändigt. Komisch, eine Bezahlung will hier keiner haben; auch auf Nachfrage nicht. Welche Regeln gelten hier eigentlich? Wir wissen es nicht. Irgendwas haben wir jetzt bestimmt falsch gemacht. Wir verlassen das Gesundheitszentrum. Dabei werfe ich zufällig einen Blick in einen Raum mit offener Tür, in dem soeben ein Patient behandelt wird. Bei offener Tür? Nein, kein Patient, neben der Tür steht ein Sargdeckel. Mir läuft ein Schauder über den Rücken, nichts wie raus. Wieder in die Apotheke. Man begrüßt uns wie alte Bekannte; sind wir ja auch schon fast. Die verschriebenen Spritzen tauscht Mike gegen Tabletten mit dem gleichen Wirkstoff ein. Denn wer sollte ihn spritzen? Nach einem kurzen Bummel durch Pigadia geht’s auf direktem Weg zurück nach Lefkos. Denn das Sitzen im Auto ist für Mike schmerzhaft. Vor allem das Kurven-Fahren, auch wenn es vorsichtig erfolgt. Und Kurven gibt’s ja genug auf Karpathos. Nun haben wir Gleichstand erreicht: Ich kann keine längeren oder unebenen Strecken laufen, Mike auch nicht. Es kann ja nur besser werden. Meinten wir. Es wurde schlimmer.

Dienstag: Keine wesentlichen Änderungen bezüglich der Beschwerden.

Mittwoch: Heute ist Schluß in Lefkos; das war auch so geplant. Wir ziehen um nach Kyra Panagia. Bis Samstag. Das hatten wir schon am vergangenen Freitag festgemacht. Eigentlich soll es danach nach Diafani gehen. Aber dazu müssen wir erst mal unsere weitere Entwicklung abwarten. Denn nach Diafani und Olympos, ohne dort wandern zu können, das bringt nichts. Die Fahrt von Lefkos nach Kyra Panagia ist gar nichts für Mike. In Aperi machen wir einen Zwischenstop. Damit er dort etwas laufen kann. Laufen (kurze Strecken) und Stehen ist besser als Sitzen. Liegen ist auch gut.

Donnerstag, Freitag: Es wird nicht besser, es wird eher schlimmer. Mit Mike. Zum Nachmittag/Abend hin dann immer wieder eine kleine Besserung. Meine Knie gibt’s auch noch, aber die kann man getrost ignorieren. Die Frauen meinen, dass es angebracht wäre, in künftigen Urlauben sofort entsprechendes Pflegepersonal mitzunehmen. Wir Männer sprechen uns dafür aus, zwei junge, hübsche Pflegerinnen zu ordern. Woraufhin prompt die Frage kam: Was wollt ihr in eurem Zustand denn mit denen anfangen? Wir haben in keiner Phase unseren Humor verloren, auch wenn der immer schwärzer wurde.

Samstag: Mike kommt nach dem Frühstück kaum aus dem Stuhl hoch. Und kann sich nur mit kurzen Schritten voran bewegen. Das reicht jetzt. Das kann nicht noch 8 Tage so weitergehen. Und sich weiter verschlechtern. Ich schlage vor, den Urlaub zu beenden und am Dienstag heim zu fliegen. Nach einer sachlichen Diskussion muss er einsehen, dass es keinen Sinn macht, die Zähne zusammenzubeißen und einfach weiter zu machen. Schließlich ist auch meine Beweglichkeit äußerst eingeschränkt. Es macht keinen Spaß mehr. Niemandem. Wir buchen die Flüge um. Wohin nun? Wir entscheiden uns für Amopi. Dieser Standort hat folgende Vorteile: Nahe am Flughafen, nahe bei Pigadia (wg. Arzt und Apotheke) und auf kleinem Raum alle Möglichkeiten, die Tage bis zum Abflug zu überbrücken. Rein ins Auto. Über Pigadia (Geldbeutel nachfüllen, Bewegungsmöglichkeit für Mike) nach Amopi. Nach Sichtung verschiedener Möglichkeiten nisten wir uns ganz zentral im Helios Hotel ein. Das war genau die richtige Entscheidung. Denn hier arbeitet Anastasia an der Rezeption. Über das Hotel und seine Taverne will ich mich hier noch nicht äußern. Das folgt später. Vorweg: Ohne Anastasia wäre das, was noch folgt, deutlich komplizierter geworden. Einiges wäre wahrscheinlich gar nicht möglich gewesen. Vielen, vielen Dank, Anastasia. Anastasia spricht fließend deutsch! Angekommen im Helios schält sich auch Mike wieder langsam und ganz vorsichtig aus dem Auto. Das tut schon weh beim Hinschaun. Bei der Unterhaltung mit Anastasia fällt auch der Begriff „Physiotherapie“. Anastasia: „Wir haben hier einen Physiotherapeuten auf Karpathos.“ Her mit dem Physiotherapeuten; vielleicht kann der etwas ausrichten. Sie kennt jemanden, der dessen Kontaktdaten kennt. Anastasia beschafft die Rufnummer, telefoniert mit ihm. Ergebnis: Er kommt heute Nachmittag. Was hat Anastasia in den nächsten Tagen nicht noch alles erledigt: Auskünfte einholen, Mehrfaches Telefonieren mit Apotheken, mit dem Physiotherapeuten, Dolmetschen bei einem Arztbesuch im Helios, Organisation von Taxen, Nachfragen beim Arzt wegen Medikamentenwechsel, gute Ratschläge erteilen. Klasse. Das ging weit über das hinaus, was man an Hilfsbereitschaft von einem Hotel oder einer Person erwarten darf. Noch mal: Danke Anastasia. Nachmittags kommt also der Physiotherapeut. Nach umfänglichen Untersuchungen äußert er den Verdacht, dass ein Bandscheibenvorfall vorliegt. Er will am nächsten Tag wieder kommen, um eine diesbezügliche Behandlung einzuleiten. Für den Rückflug empfiehlt er eine liegende Haltung; wie soll das gehen?

Sonntag: Die Betten sind gut. Liegen war gut für Mike. Aber ohne Dauerwirkung. Das Aufstehen fällt äußerst schwer. Zum Frühstück kommt er nur mit Schritten, die eine Fußlänge nicht überschreiten. Anna muss ihn stützen. Unterwegs immer wieder ein Stop und Erholen. Die wenigen Stufen, die es zu überwinden gilt, sind arge Hindernisse. Am Frühstückstisch: Hinsetzen geht nicht. Also bleibt er an einer Mauer stehen. Versucht sich abzustützen. Das wird nichts, die Arme fangen an zu zittern. Also zurück aufs Zimmer, aufs Bett. Das dauert natürlich genau so lange wie der Hinweg. Später, als er sich etwas erholt hat, nimmt er sein Frühstück im Stehen ein. An der Terassen-Mauer, die ist wie für ihn gemacht. Dann Mikes Entscheidung: Den Physiotherapeuten lasse ich lieber doch nicht an mich ran. Er glaubt nicht an einen Bandscheibenvorfall. Was ist, wenn es sich nicht um einen Bandscheibenvorfall handelt, sondern um die von ihm vermutete Blockade des Illio-Sakral-Gelenks? Kann dann die Behandlung sogar Schaden anrichten? Das ist ihm zu riskant. Wir bitten Anastasia, den Termin abzusagen. Aber wie soll Mike denn den dreistündigen Rückflug am kommenden Dienstag überstehen? Von Düsseldorf sollte es zuerst für eine Übernachtung zu uns gehen; das ist eine Autofahrt von ca. einer Stunde. Viel zu lang. Und am nächsten Tag eigentlich mit dem Zug weiter nach Süddeutschland. Wie soll das gehen? Nun, ich glaube, da gibt’s noch einen Joker in meinem Ärmel. Über meine ADAC-Mitgliedschaft besteht im äußersten Notfall die Möglichkeit, aus dem Ausland zurückgeholt zu werden. Mike besitzt übrigens die gleiche Mitgliedschaft. Also mal anfragen, was der ADAC für Möglichkeiten sieht. Es muss ja nicht gleich eine Rückholung im ADAC-Jet sein; aber dort gibt es doch sicher Personen, die mit unserer aktuellen Situation Erfahrungen haben. Ich rufe also die ADAC-Notrufnummer an. Schildere die Situation und bekomme sehr schnell eine Bearbeitungsnummer. Dann ruft die ADAC-Niederlassung aus Athen an; sie übernimmt die weitere Koordination. Stellt Fragen. Die Verbindungsärztin will Kontakt mit dem Gesundheitszentrum aufnehmen und mit dem Physiotherapeuten. Wenn weitere Informationen vorliegen, wird man sich melden. Das macht einen guten Eindruck. Hier wird wohl etwas in die Wege geleitet. Das macht Hoffnung. Ich möchte nicht die Kontakte im Einzelnen schildern; ich kann mich auch gar nicht mehr daran erinnern, wann welches Telefonat geführt wurde und wer wann was gesagt hat. Also beschränke ich mich im Folgenden auf das Wesentliche. Mike ist das eher peinlich. Der ganze Rummel. Um ihn. Und was das für ein Geld kostet. Das muss doch so nicht sein, oder? Doch, das muss jetzt so sein. Zum Nachmittag hin geht’s ihm wieder etwas besser, so dass er abends sogar bis zur Taverne laufen (besser: schleichen) kann. Und dort gibt’s erst mal eine, aber nur eine einzige (!), dafür große Ouzo-Infusion.
Montag: Heute Morgen ist es nicht ganz so schlimm wie gestern. Mike ist schon wieder übermütig: „Die sollen jetzt kein Theater machen, ich will morgen nach Hause fliegen.“ Unvernunft komm raus. Vor Mittag ruft der ADAC an: Das Gesundheitszentrum ist wenig kooperativ, von dort gibt’s keine verwertbaren Auskünfte; der Physiotherapeut empfiehlt dringend einen liegenden Transport. Dies muss jedoch von einem Arzt bestätigt werden. Man hat einen Arzt auf Karpathos kontaktiert, der gegen 13:30 Uhr kommen wird. Ein Liegend-Transport könnte dadurch erfolgen, dass in einem der abgehenden Flieger ein Stretch-Bett über ca. 6 Sitzplätze hinweg eingebaut wird. Wir weisen darauf hin, dass morgen sowieso air berlin nach Deutschland fliegt. Das macht Hoffnung. Wir weisen außerdem daraufhin, dass der Arzt doch wegen der ständigen Schmerzen ein starkes Schmerzmittel mitbringen soll, auch für die Zeit bis zum Flug. Der Arzt kommt. Und diagnostiziert einen eingeklemmten Nerv. Und noch einmal: Ohne Anastasias Dolmetscherarbeit wäre die Unterhaltung wohl äußerst schwierig geworden. So, jetzt haben wir drei verschiedene Diagnosen. Und der Arzt hat keine Schmerzmittel dabei. Oder hat Mike doch eine Spritze bekommen? Ich weiß es im Moment nicht mehr. Aber Medikamente für die kommende Zeit hat er nicht dabei. Andererseits sagt er, dass mit entsprechend starken Schmerzmitteln der Flug zu überstehen sein sollte. Es ist die Rede von morphinhaltigen Schmerzmitteln. Er verschreibt solche. Sagt er. Das macht Hoffnung. Morgen geht‘s nach Hause. Irgendwie. Andererseits sind das Spritzen. Wer soll denn die geben? Nun, der Arzt meint, Anna könne das tun. Er markiert noch die Stelle, an welcher der „Einschuss“ erfolgen soll. Und weg ist er. Hm.

Nun also ab in die Apotheke. Aber Stop: Heute ist Montag und die Apotheken haben geschlossen. Da gibt’s jedoch noch eine Notfall-Apotheke. Die hat zwar jetzt Mittagspause, macht aber um 17:30 wieder auf. Anna fährt per Taxi nach Pigadia; Mike geht’s relativ gut. Schmerzen hin und Schmerzen her, er will mal raus. Also fährt er mit. Ist ja nicht weit. Hat noch den Vorteil, dass in der Apotheke sicher jemand ist, der die erste Spritze setzen kann. In der Apotheke: Das verschriebene Zeugs gibt’s bei ihnen nicht! Ganz toll. Also retour. Und jetzt? Am besten morgen früh mal alle Apotheken abtelefonieren, welche dies Medikament im Bestand hat. Kam schon heute Abend die Information, dass morgen keine Stretch-Bett-Möglichkeit eingerichtet werden kann? Ich weiß es nicht mehr. Zwischenzeitlich telefonieren Mike und Anna mit einer ihrer Töchter. Die ist spritzen-erfahren. Anna lässt sich einweisen. Soll problemlos sein. Na ja. Mike schauspielert den Ängstlichen.

Dienstag: Anastasia telefoniert hinter dem Medikament her. Das gibt’s scheinbar auf der ganzen Insel nicht. War das so? Muss so gewesen sein. Dann ein Telefonat mit dem Arzt. Der verschreibt ein anderes Medikament. In Zäpfchen-Form. Telefonisch. So einfach geht das. Jetzt zur Vorsicht noch eine Apotheke anrufen, ob die dies Medikament vorrätig haben. Anastasia telefoniert. Man hat das Medikament! Taxi nach Pigadia. Mike kann/will diesmal nicht mit; ich begleite Anna. Für alle Fälle. Zu zweit ist es besser. Prima: Medikament gekauft, Geld geholt, Rückfahrt. Wir sind noch nicht ganz aus Pigadia raus, da öffnet Anna die Medikamentenschachtel. Sie enthält Tabletten! Das sollten doch Zäpfchen sein; die sind i. d. R. wirkungsvoller. Was passiert hier eigentlich mit uns? Umgekehrt, Medikament getauscht, zurück ins Hotel. Mike nimmt sofort so einen Zapfen. Eigentlich sollte die Wirkung sehr schnell eintreten. Als nach ca. 2 Stunden immer noch keine Wirkung festzustellen ist, liest sich Mike mal die Packungsbeilage durch. Ist zwar weitgehend griechisch, aber die Zusammensetzung ist erkennbar. Und was ist da drin? Paracetamol !!!!! So viel zu dem starken Schmerzmittel. Das ist ein ganz schlechter Witz. Langsam geht uns jetzt der Humor flöten. Gegen Mittag steht fest, dass es heute keinen ADAC-organisierten Rückflug für Anna und Mike geben wird. Mike ist sauer: „Dann werde ich auf eigenes Risiko mit air berlin zurückfliegen.“ ADAC-Telefon-Partner: „Es kann Ihnen aber passieren, dass die Fluggesellschaft Ihre Flugtauglichkeit in Frage stellt und Sie nicht mitnimmt. Wir finden für Sie sicher ein Lösung.“ Die Chance ist groß, dass man erkennen wird, dass er eigentlich nicht flugtauglich ist. Deshalb verlässt sich Mike auf die in Aussicht gestellte Lösung. Da es für uns, Heike und Walter, in einem Krankentransport sicher keine Möglichkeit zum Mitfliegen geben wird, reisen wir abends ab. Mit ganz schlechtem Gewissen. Mike und Anna können ihr Zimmer im Helios weiter nutzen. Es war zwar schon für andere Gäste vorgesehen, aber das Hotel bzw. Anastasia hat es möglich gemacht. Na ja, so lange kann es ja jetzt nicht mehr dauern, bis Anna und Mike auch nach Hause kommen.

Mittwoch, Donnerstag, Freitag: Immer wieder hatten wir Kontakt zu Mike und Anna. Heute kein Flug. Morgen? Kann man nicht sagen. Mike geht’s mal besser, mal schlechter.

Samstag: Um kurz nach 21:00 Uhr Telefonat mit Mike. In den drei Stunden zuvor hatte es reichlich Diskussionen mit dem ADAC gegeben. Diese in Kürze. Erste Info: Morgen kommt ein ADAC-Jet zwecks Rücktransport. Zweite Info: Und um Ihre Frau werden wir uns dann auch kümmern. Was heisst das, um meine Frau werden Sie sich auch kümmern? Die fliegt doch mit, oder? Nein, das geht auf gar keinen Fall. Das kann doch nicht Ihr Ernst sein. Doch, das ist ein Krankenrücktransport und es besteht keine Möglichkeit, andere Passagiere mitzunehmen. Jetzt reichts mir, Ihr könnt den Rücktransport streichen, morgen besorg ich mir ne Morphium-Spritze, setz mich ab nach Rhodos und werd von da aus mit einem Linienflug nach Hause kommen; mit meiner Frau. Nach langem Hin und Her wird doch eine Möglichkeit geboten, Anna mit nach Hause zu nehmen. Also soll am Sonntag gegen 14:00 Uhr der Flieger in Karpathos abheben. Zuvor muss Mike jedoch liegend zum Flieger gebracht werden. Mike: Was soll das denn? Die paar Kilometer schaff ich das doch auch in einem Taxi. Nein, dafür gibt’s Vorschriften. Oh, wir Deutschen! Aber wahrscheinlich muss darauf geachtet werden, dass haftungsrechtliche Formalien eingehalten werden. Und was das dann für Blüten treibt. Denn das Gesundheitszentrum in Karpathos stellt, aus welchen Gründen auch immer, seinen Krankenwagen nicht zur Verfügung. Also kommt am Sonntag mit der Fähre ein Krankenwagen von Rhodos nach Karpathos, transportiert Mike die ca. 10 km von Amopi zum Flughafen und fährt mit der nächsten Fähre zurück. Mike versucht noch einmal, gegen diesen Irrsinn Einspruch zu erheben: Ich sag Ihnen, ein Taxi-Transport reicht; ich muss und kann doch hier auch rumlaufen. Nützt nichts, so wird es erfolgen. Das ist unnütze Geldvernichtung. Muss aber wohl so sein. Ich geh mal davon aus, dass der ADAC sich absichern muss; sobald er die Verantwortung übernimmt, muss er dafür sorgen, dass nichts, aber auch gar nichts mehr schief läuft. Tja, Mike ist das mittlerweile nicht mehr nur peinlich, sondern höchst unangenehm. Seiner Meinung nach hätte man eine pragmatischere, kostengünstigere Lösung finden sollen. Etwa so: Morphium-Spritze rein, rein in den Flieger, in Deutschland dann gerne ab im Krankenwagen in ein Heimat-Krankenhaus. Aber die Entscheidung muss man tatsächlich dem ADAC überlassen; die haben schließlich ihre Erfahrungen.

Sonntag: Während ich diese letzten Zeilen schreibe, schaue ich auf die Uhr. Wir haben 14:00 Uhr. Liegt er schon im Flieger? Ob Mike und Anna jemals mit uns nach Karpathos zurückkehren werden? Ich wage das mal zu bezweifeln. Und könnte das verstehn.
Wird unser nächster Urlaub in Bad Wildungen (z. B.) sein? Dort hat man den Arzt direkt vor der Tür. Das müssen wir bei der nächsten Urlaubsplanung einfach mal mit diskutieren. Oder nicht?

Nun, wie hat euch mein Bericht gefallen? Ist sicher nicht so ausgefallen, wie ihr ihn erwartet habt, was? Auf so einen Katastrophen-Urlaub waren wir gar nicht eingestellt. Aber, man kann es nicht leugnen, es war mal wieder ein Erlebnis-Urlaub. Und was sagte Anna: Stellt euch mal vor, wir kämen nach Hause und hätten nichts zu erzählen? Immer nur: Hotel war gut, Strand war gut, Wetter war gut, Essen war gut. Wie öde.

In einer Fortsetzung will ich dann über völlig nebensächliche Aspekte berichten: Wie hat uns die Insel nach 12 Jahren gefallen? Hat sich viel verändert? Positiv/negativ? Wie waren die Unterkünfte? Und: Gefällt uns die Insel noch? Aber der Bericht kommt etwas später.


Viele Grüße
Walter


Zuletzt geändert von walter am Mo 14. Jun 2010, 19:33, insgesamt 1-mal geändert.

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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 16:27 
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@Walter
Die Odysse, die ihr erlebt habt, ist für Euch sicher eine persönliche Katastrophe gewesen.
Tut mir echt Leid für Euch. Nicht zuletzt deshalb, weil Du nach vielen Jahren auf die Insel zurückgekehrt bist und sicher eine bestimmte Erwartungshaltung hattest.
Ich hoffe aber, dass die negativen Erlebnisse, die ja letztendlich nichts mit der Insel zu tun haben, Deine Eindrücke nicht beeinflusst haben.
Vielleicht kommt Ihr ja bald wieder mal nach Karpathos und könnt die Insel so erleben und genießen, wie sie ist!

LG,
Frank

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Der gesunde Menschenverstand ist nur die Summe aller Vorurteile, die einem in der Kindheit eingebleut worden sind.


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 16:49 
Meine Herren, Walter, bei deinem Bericht musste ich erst mal durchschnaufen.
Ich wünsche Mike, dass er den Rückflug gut übersteht und hoffe natürlich auch, dass dein Knie, das du ja später gar nicht mehr erwähnt hast, wieder in Ordnung ist.
Dass der Urlaub "versaut" war, ist wahrscheinlich erst einmal nebensächlich, in erster Linie müssen alle erst mal wieder gesund werden.
In ein paar Wochen, wenn alles gesackt ist, werdet ich euch wahrscheinlich (alle 4) ärgern, dass sowas passieren musste, aber es ist ja leider nicht zu ändern.
Ich wünsche deinem Freund, dass er heil zu Hause ankommt und hier eine schnelle und richtige Behandlung bekommt und dir auch alles Gute für dein Knie.
Auf die weiteren Berichte, die du angekündigt hast, freue mich mich auch schon.
Werde sie aber evt. später lesen, da wir am Die. nach Karpathos fliegen.

Du schriebst, dass ihr Schnorcheln ward.
Wie sind denn die Wassertemeperaturen derzeit?
Ist es eine große Überwindung, ins Wasser zu gehen?
Normalerweise fliegen wir immer im September, abgesehen von einem Urlaub vor 8 Jahren, von daher habe ich da keine Erfahrungswerte.

Liebe Grüße
Martina


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 17:17 
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@Frank,

schon mal vorab: Natürlich können wir das nicht Karpathos anlasten. Das hätte in jedem anderen Urlaub auch passieren können. Wird zurückblickend (irgendwann) sicher eine interessante Erfahrung mehr in unserem Leben sein. Heute ist das aber erst mal nur doof.

@Martina,

danke für die Besserungswünsche; auch im Namen meines Freundes. Das Knie ist schon in Reparatur; mal sehn, was dabei rauskommt.

Gefühlte Wassertemperatur: 22 Grad (Celsius).

So jetzt gehts erst mal auf die Terasse in die Sonne. Dann noch Grillen und heute abend das Fußballspiel.

Und morgen starte ich wieder in den ganz normalen Abeitswahnsinn. Ich bin gespannt, was mich da erwartet. Wahrscheinlich wird das meine Forums-Aktivitäten aber stark einschränken. Mal sehn.

Viele Grüße
Walter


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 19:12 
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Hallo Walter,
Mannomann, da ward ihr aber wirklich vom Pech verfolgt. Mir standen schon beim Lesen die Haare zu Berge. Die eine oder andere abenteuerliche Geschichte habe ich ja auch schon hinter mir, doch bei euch kam ja fast täglich eine neue Hiobsbotschaft hinzu. Das war ja wirklich ein Horrorurlaub. Schade, ausgerechnet bei eurem ersten Urlaub nach 12 Jahren. Ich bewundere deinen unerschütterlichen Humor und deine Art und Weise, mit welchen Wort- und Satzspielchen du Ereignisse zum Heulen in unvergessliche Abenteuergeschichten verwandelst. Einfach bravourös. Wünsche euch allen gute Genesung und dass ihr trotz allem die Insel noch mögt.
Mit Anastasia vom Helios habt ihr ja wirklich Glück gehabt.

walter hat geschrieben:

Am Besten erst mal ins dortige Krankenhaus. Später hab ich gehört, dass diese Einrichtung „Gesundheitszentrum“ heißt und nicht Krankenhaus. Und einen Vergleich mit einem deutschen Krankenhaus möchte ich auch gar nicht anstellen, obwohl ich nur wenig gesehen habe.

Das ist das Problem auf Kárpathos, ernsthaft krank werden darf man dort nicht wirklich. Das Krankenhaus (die Bezeichnung Gesundheitszentrum muss noch ziemlich neu sein) ist nur für eine Notversorgung tauglich. Ich weiß nicht, wie das ansonsten in GR üblich ist, aber ich habe mal miterlebt, dass stationär aufgenommene Patienten lediglich medizinisch versorgt werden. Krankenpflege und Mahlzeiten sind nicht inbegriffen. Das übernahmen Verwandte und Freunde. Hat mich damals ziemlich erschreckt, denn ich war alleine auf der Insel.
Na ja, und mit deutschen Standard darf man hier wirklich nicht rechnen. Auch wenn bei uns vieles „den Bach runtergeht“, es ist allemal noch besser als z.B. in GR oder E.

walter hat geschrieben:

Komisch, eine Bezahlung will hier keiner haben; auch auf Nachfrage nicht. Welche Regeln gelten hier eigentlich? Wir wissen es nicht. Irgendwas haben wir jetzt bestimmt falsch gemacht.

Nein, ihr habt nichts falsch gemacht. Das war immer schon so, die Abrechnungen mit den Deutschen Sozialversicherungsträgern scheint wohl trotz gemeinsamer Abkommen verwaltungstechnisch so aufwändig sein, dass man lieber auf die Bezahlung verzichtet. Ähnliches haben Bekannte auch in den spanischen Gesundheitszentren gemacht.
Vor etwas mehr als 10 Jahren haben Reiseleiter(innen) mal empfohlen, dem Personal nach der Behandlung einen Kuchen oder ähnliches zu spendieren. Darüber würden sie sich sehr freuen.
Alles andere sei nicht angebracht und würde auch peinlich wirken. Also bitte, keine Fakelaki!

Die Geschichte vom Ambulanzwagen ist natürlich haarsträubend und völlig unbegreiflich. Aber so etwas habe ich auch nicht zum ersten Mal gehört.
Liebe Grüße
Kassandra :wink:

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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 20:14 
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Ach herrje, liest sich ja echt grauenvoll. Ich leide körperlich mit.

3 verschieden Diagnosen ist bei Rückenproblemen auch normal - 90% sind sind nicht konkret zu lokalisieren.
Iliosakralprobleme/-blockade kenne ich, ich hab da nen Chiropraktiker und nen guten Physiotherapeuten, die kriegen das dankenswerterweise ganz schnell wieder hin - man glaubt da fast schon an Wunder.
Mit hat mal ein Orthopäde gesagt, ich müsste mit meinen Rückenschmerzen leben - tolle Diagnose mit Mitte 30. Dann hab ich zum Glück den Chiropraktiker gefunden und der hat mich erlöst. Ok, es zwickt noch manchmal, aber kein Vergleich.

Wünsche deinem Freund gute Besserung!

_________________
Grüßle,
Sirtos


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 22:59 
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Oh je Walter,

das ist ja eine Katastrophe. Hatte mich schon so auf Deine Berichte gefreut, aber das sie so ausfallen.....
Wünsche Euch auf jedem Fall gute Besserung und das der Wiedereinstieg in den Alltag nicht allzu hart ausfällt

Liebe Grüße

Dirk


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 23:20 
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Kurzer Nachtrag: Vor etwa einer Stunden hat Mike angerufen. Sie sind zu Hause! Es kam kein Krankenwagen von Rhodos, es wurde der Wagen von Karpathos genutzt. Der war aber wohl in einem ziemlich desolaten Zustand.

Mike sagte mir noch: Wir sollten unbedingt das viele Positive sehen. Wir haben gemeinsam viel Spaß gehabt. Was wir von der Insel gesehen haben, war schön. Das Wetter gut, das Essen gut. Und die gesundheitlichen Probleme werden wir auch bald abhaken.

Eure Genesungswünsche werde ich ihm gerne beim nächsten Kontakt weiterreichen. Vielen Dank.

@Martina: Bevor ich das morgen vergesse: Viel Freude auf der Insel und grüße sie von uns.

Viele Grüße
Walter


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: So 13. Jun 2010, 23:52 
Lieben Dank Walter.
Wir sind auch schon ganz hibbelig :dance2.gif: .
Wir werden eine Woche in Olymbos bleiben, bevor es dann eine Woche in den Süden geht, und werden "da oben" mal einen Ouzo auf euch nehmen, da euch ein Besuch dieses Mal dort verwehrt geblieben ist.

Schön, dass Mike gut zu Hause angekommen ist und nun die richtige Behandlung bekommen wird.
:nacht:
Martina


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 Betreff des Beitrags: Re: Karpathos nach 12 Jahren – Eine Katastrophe
BeitragVerfasst: Sa 19. Jun 2010, 15:32 
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Liebe Karpathos-Freunde,

nachdem ich mich in meinem vorhergehenden Beitrag über unsere „Leidensgeschichte“ ausgelassen habe, möchte ich hier auf einige andere Aspekte unserer Reise zu sprechen kommen. Euch interessiert doch sicher, wie wir Karpathos nach 12 Jahren empfunden haben. Sorry, das kam bis jetzt zu kurz. Aber in diesem Urlaub stammten die beherrschenden Erlebnisse eben aus unserer Gesundheits-Odyssee quer über die Insel. Hierzu nur noch ein kurzer Nachtrag: Mike hat tatsächlich einen Bandscheibenvorfall, mein Knie muss erst mal in die Röhre (MRT).

Am Flughafen in Düsseldorf trafen wir übrigens Mona und Jannis aus dem Forum. Hallo ihr Beiden! Ich hab euren Bericht schon gelesen: Viel Gefühl drin, toll. Es gesellt sich noch Stefan hinzu. Einen Beobachter im Hintergrund sei er. So vergeht die Zeit bis zum Abflug mit angenehmen Gesprächen.

Unser erstes Ziel war Lefkos. Lefkos hat sich nur wenig verändert, aber keinesfalls negativ. Seit 1998. Meine ich. Ist zwar ein Touristen-Ort, aber um diese Jahreszeit ruhig und beschaulich. So wie wir das mögen. Speziell unser Strand, der Frangolimionas, ist wie wir ihn von damals kennen: Wenig los, viel Platz, schöne, zum Teil wilde Wellen. Mike und Anna sind vollauf begeistert vom Wasser. So klar, so durchsichtig, so viele Grün- und Blau-Töne und keine einzige Qualle. Die Wasser-Temperatur ist auch schon OK. Natürlich testen wir verschiedene Tavernen. Und haben nie einen Reinfall erlebt. Klar, hier schmeckte die Mousaka besser als dort, dort aber die Tzaziki. Ja, und schon am ersten Abend passiert es. Anna: Ich hab noch nie Ouzo getrunken; ich mag dies Zeug gar nicht; ich könnte mich schütteln; außerdem ist das viel zu kalt. Schön, im Blue Sea gibt’s den durchaus üblichen warmen, nicht gekühlten Ouzo. Nach dem Essen, vom Chef. So kennen Heike und ich das seit Zeiten. Da kam in Griechenland früher eigentlich nie Eis rein. Gibt’s heute natürlich auch mit Eis, wollen wir aber nicht. Anna: Wouw, schmeckt das gut; und das soll Ouzo sein? Warum macht man den in Deutschland eigentlich so widerlich kalt? Ab sofort gibt es, auch zur medizinischen Vorbeugung, jeden Abend einen solchen Schlummertrunk. Und einen Ouzo den gibt’s immer nur in den Mengen ¼ bis ½ Wasserglas voll. Auf jeden Fall ist der Magen- und Darmtrakt jetzt immer gut ge-ouzt; das beugt vor.

Die Begeisterung für das Wasser und fürs Essen hält auch die restliche Zeit unseres Urlaubs an. Egal, was sonst noch so passiert ist.

Am ersten Donnerstag (Ihr erinnert euch? Erster Apothekenbesuch) fahren wir von Pigadia aus an der Ost-Küste hoch, sichten dabei Unterkünfte in Kyra Panagia und buchen diese für ein paar Tage. Weiter gehts an der Küste längs mit tollen Blicken auf den Insel-Norden, ins Insel-Gebirge und in die Buchten. Apella kommt in Sicht. Das sollte ja eines unserer nächsten Tagesziele werden. Apella wirkt von oben immer noch wunderschön. Hier mal Vergleichs-Fotos: Apella 1998 (Schotterpiste, keine Strandliegen) und Apella 2010

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Mike und Anna sind begeistert von dieser Landschaft. Anna begeistert sich besonders für die phantastischen Kurven und die steilen Abhängen rechts von der Strasse: Oh, au weh, Hilfe, ich schau da gar nicht hin, … Hier hat sich Karpathos gegenüber 1998 überhaupt nicht geändert. Außer: Es gibt jetzt viel mehr Leitplanken, scheint mir. Schade, da fehlt das gewisse Prickeln :-)

In Kyra Panagia war ebenfalls noch nicht allzu viel los. Wir hatten es bisher erst einmal und zwar in1998 an einem Tag im Hochsommer besucht. Da war es proppevoll. Doch jetzt ließ es sich dort gut ein paar Tage aushalten. Eines Nachmittags ging es Mike relativ gut und so haben Mike und ich uns trotz Rücken und Knie am Akropolis vorbei ein Stück an der Küste längs geschlichen. Immer schön vorsichtig. Das musste einfach sein, tolle Ausblicke auf die Küste, aufs Wasser und auf eine einsame Bucht genießen. Die Bucht wäre einen Tages-Schnorchel-Ausflug wert gewesen. Fotografieren. Nach nicht allzu langer Strecke mit sanften Auf- und Abstiegen ging der Weg steiler bergab. Ich fragte Mike: „Was sagt dein Rücken?“ Mike: „Mein Rücken sagt: Ich will da runter.“ Ich: „Mein Knie sagt das Gleiche“. Also gings abwärts. Immer schön vorsichtig. Das musste wirklich sein! Wir wurden mit Blicken auf die besagte wunderschöne Bucht belohnt. Aber weiter wollten wir uns nicht wagen. Nee, was waren wir sauer, dass wir nicht so konnten wie wir wollten.

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Von Kyra Panagia aus fuhren Heike und ich Aghios Nikolaos bei Spoa an. Das gefiel uns ausgezeichnet. Diese Ruhe und Langsamkeit. Hier ein paar Tage zu verbringen, wäre wirklich lohnenswert. Hier kann man vollständig abschalten, die Seele baumeln lassen. Es sollte nicht sein.

Pigadia. Die Inselhauptstadt haben wir auch diesmal wieder nur genutzt, um wichtige Angelegenheiten zu erledigen, wie z. B. Geld tanken. Wir haben diesmal leider noch weniger von Pigadia wahrgenommen als sonst. Obwohl es sich ganz bestimmt lohnt, hier mal einen ganzen Tag und vor allem einen Abend zu verbringen. Auch zu Pigadia können wir sagen, dass das Bild aus unserer Erinnerung immer noch passt.

Dann Amopi. In einem meiner anderen Berichte hatte ich ja mal beschrieben, dass Amopi, eigentlich Kastellia (jetzt weiss ich, wie das genau hieß), unsere erste Anlaufstation auf Karpathos war. 1980 und 1982. Seitdem hat sich Amopi drastisch verändert. Und das war schon 1998 so verändert anzutreffen. Deshalb war Amopi der letzte Ort auf der Insel, an dem wir uns aufhalten wollten. Völlig touristisch erschlossen. Rummel. Hotel an Hotel. Taverne an Taverne. Kleine Strände. Liegen dicht an dicht. Nee, tut mir leid, das ist nicht unser Geschmack. Aber so kommt es nun mal. Die Umstände haben uns doch nach Amopi gedrängt. Es war relativ ruhig, aber ich möchte mir nicht den Hochsommer hier vorstellen. Wer‘s mag, OK, aber nichts für uns. Und dennoch. Die Hilfsbereitschaft und Freundlichkeit, die wir speziell im Hotel Helios erfahren haben, war wirklich umwerfend. Die Zimmer hatten wir um die Mittagszeit geordert. Sofort wurden sie noch mal frisch gemacht. Auf den Betten erwartete uns eine liebevolle Handtuch-Kreation mit je einer Hibiskus-Blüte. Da fühlte man sich sofort wohl. Die Anlage selbst ist schließlich keine Bettenburg, sondern wirkt wie eine Ansammlung von Häuschen in einem großen Garten. Die überall blühenden mehrfarbigen Hibisken, die farbenprächtigen Bougainvillean, die Granatäpfel, die noch voller Zitronen hängenden Zitronenbäume, die Palmen, das machte einen schönen und gepflegten Eindruck auf uns. Fast täglicher Zimmer-Service. Und, ach ja, unsere Anastasia. Wir fragten sie natürlich, woher sie so gut deutsch sprechen könne. Ganz einfach: Die Mutter ist Griechin, der Vater Deutscher und aufgewachsen ist sie in Deutschland. Wo? In einer kleinen Stadt, die sicher keiner kennt: Lüdenscheid. Das war der Hammer; das ist die Stadt im Sauerland, in welcher ich mein Abitur gemacht habe. Ihre Oma wohnte in der Nachbarstadt Altena; dort ist Heike geboren. Jetzt gab‘s natürlich ein großes Hallo. Und wie ich schon geschildert habe, hat sich Anastasia als guter Geist erwiesen und sich um viele unserer Angelegenheiten intensiv gekümmert. Das hätte sie sicher nicht gemusst, sie hat es aber getan. Danke. Ich muss unbedingt erwähnen, dass auch das gesamte restliche Personal im Helios immer zuvorkommend, freundlich, hilfsbereit war und immer zu einem Spaß aufgelegt. Nach unserer Ankunft im Helios wollten wir erst einmal eine Kleinigkeit essen. Anastasia schlug die zum Hotel gehörige Helios Taverne vor. Dann sollten wir es dort einmal versuchen. Tja, und anders als in Lefkos oder Kyra Panagia sind wir dort auch in den folgenden Tagen hängen geblieben. Neben dem immer guten Essen trafen wir hier Menschen an, die Bedienung, der Koch, den Chef selbst und andere, die eine wirklich gute Athmosphäre verbreiteten. Obwohl Amopi eigentlich gar nicht nach unserem Geschmack ist, kann ich mir doch vorstellen, hier im Helios noch einmal abzusteigen.

Was muss über Veränderungen noch gesagt werden? Ach ja. Es gibt eine extrem nützliche Veränderung. Wir sind überall auf die Beschilderung der Wanderwege gestoßen. Das ist natürlich was Tolles. Bei unseren vormaligen Aufenthalten mussten wir uns mit den Auskünften der Karpathioten begnügen, die aber immer nur vorsichtig genutzt werden durften immer in Verbindung mit unserem Gespür. So habe ich den Weg von Lefkos nach Mesohori 1995 selbst aufgespürt. Aus dem Aufstieg auf den Kali Limni von Lefkos aus 1998 mit meinem Bruder wurde nichts, weil zuerst unklar war, ob es überhaupt einen Weg da hoch gibt. Wir wollten aber trotzdem hoch und sind zuerst der Wasserleitung gefolgt. Weiter oben am Berg verlief daneben ein Trampelpfad, oft nur zu erahnen. Nachdem wir mehrfach vermeintlichen aufwärts führenden Abzweigen gefolgt waren und doch wieder umkehren mussten, standen wir ca. sieben Stunden später (viele Foto-Stops!) irgendwo über der Lastos-Hochebene. Eigentlich konnte es nicht mehr weit bis zum Gipfel sein, aber es war Fußball-Weltmeisterschaft und abends sollte Deutschland spielen und außerdem wollten wir nicht in der Dunkelheit irgendwo im Gelände rumstolpern. Also ohne Gipfelberührung wieder zurück. Hat aber trotzdem Riesen-Spaß gemacht. Für den Abstieg haben wir dann tatsächlich noch sechs Stunden gebraucht. Und kamen pünktlich zum Fußballspiel an.

Kurz zusammengefasst: Karpathos ist immer noch eine wunderschöne Insel. Das, was wir diesmal vorgefunden haben, entspricht weitgehend unserem Bild, welches 1998 entstanden ist. Wir haben in der Zwischenzeit mit Mike und Anna gesprochen. Ihnen hat Karpathos ebenfalls sehr gut gefallen. Einem erneuten Versuch, die Insel intensiver zu erkunden, steht also nichts im Wege. Ich denke, wir kommen wieder!

Und wenn euch in diesem Bericht noch das Abenteuer fehlt, dann hab ich hier noch ein klitzekleines Bißchen davon. Unser ursprünglicher Plan lautete: Lefkos (vorgebucht), ein paar Tage Ost-Küste, vorzugsweise Aghios Nikolaos (wurde dann Kyra Panagia), dann mit dem Nachmittags-Boot von Pigadia nach Diafani, dort ein paar Tage Wandern, anschließend für einige Tage nach Olympos; letztlich zurück über Diafani nach Pigadia und Rückflug. Doch wie kommen wir zuerst nun von Lefkos nach Aghios Nikolaos? Mit unserem Gepäck? Einfach: Wir mieten uns für die Zeit von Lefkos bis Pigadia ein Auto. Wie kommen wir aber von Lefkos nach Abgabe des Autos nach Pigadia? Da soll es einen täglich fahrenden Bus geben. Also, so machen wir es: An dem Tag, an dem wir mit dem Nachmittags-Boot von Pigadia nach Diafani fahren, werden wir das Auto in Lefkos abgeben und dann mit dem Bus, hoffentlich rechtzeitig, nach Pigadia fahren. In Lefkos angekommen, sichten wir schon mal die herumstehenden Miet-Wagen. Oh weh, da passt doch überhaupt kein Gepäck rein. Die sind alle viel zu klein für uns Vier mit Gepäck. Was nun? Idee: Keine richtig gute, erst mal abwarten. Die Lösung kommt von allein! Als wir am besagten ersten Freitag ein Auto für einen Tag mieten wollen, steht bei Lefkos Rent A Car ein Citroen Berlingo. Der sieht geräumig aus. Den mieten wir heute. Er stellt sich als bequem heraus und hat auch Platz genug für unser Gepäck. Dass dieser Berlingo in den Bergen seine liebe Mühe hat, das stört uns wenig. Es gibt etliche Kurven bergauf, die nur im ersten Gang gefahren werden können. Ein bißchen schwach auf der Brust. Aber das versetzt mich in noch viel länger zurückliegende Zeiten, als wir mit unserer Ente (Citroen 2 CV 4, also auch ein Citroen) durch das norwegische Hochgebirge gekreuzt sind. Mit 16 PS. Kurz und gut: Wir reservieren später dies Auto für den Zeitraum Montag bis Samstag. Denn Samstag wollten wir nach Diafani. Mit dem Nachmittags-Boot. An der Chrisovalandou haben wir erfahren, dass sie täglich fährt außer mittwochs. Als wir das Auto bei Nikos+Maria (Lefkos Rent A Car) reservieren, schildern wir das Problem „Wie kommen wir eigentlich von hier am Samstag nach Pigadia?“ Maria: „Kein Problem, ich bringe euch nach Pigadia.“ Toll, hatten wir nicht mit gerechnet. Während der folgenden Zeit waren wir noch das eine und andere Mal kurz in Pigadia und das habe ich dazu genutzt, mich vorsichtshalber danach zu erkundigen, ob die Chrisovalandou denn auch samstags fährt. Nein, samstags nicht. Uff, schon wieder umplanen. Samstag wollen wir Kyra Panagia verlassen. Wohin nun? Einnisten in Pigadia? Für einen oder zwei Tage? Oder doch noch hoch nach Aghios Nikolaos? Am Samstag fiel bekanntlich die Entscheidung, den Urlaub vorzeitig zu beenden. Nachdem Heike und ich den Wagen abgeliefert haben, hat uns Maria natürlich nach Amopi gebracht. Während der ganzen Zeit gab es somit immer wieder neue Umstände zu bedenken. Wir mussten uns immer wieder auf neue Situationen einstellen, diskutieren und Entscheidungen fällen. Das ist die Art von Urlaub, die uns persönlich am meisten Spaß macht. Das wird nie langweilig. Sicherlich wird vorab ein Plan entworfen, aber vorsichtshalber nicht allzu viel vorgebucht. Und somit sind wir für alle Überraschungen und Wendungen offen. Die ja diesmal knüppeldick kamen. Aber die Story kennt ihr schon.

So, das reicht für dieses Mal.
Viele Grüße
Walter


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