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 Betreff des Beitrags: Die Fahrt von Piräus nach Karpathos im Jahr 1946
BeitragVerfasst: So 13. Dez 2020, 17:34 
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von Anastasios N. Frankos

Freitag, 30. August 1946, im Hafen von Piräus
Das mit einem Dieselmotor ausgestattete Segelschiff „Agios Georgios von Symi“ von Kapitän Pinotsis, das neben dem Zollgebäude festgemacht hat, füllt sich vom Morgen an allmählich mit heimkehrenden karpathischen Amerikanern oder Reisenden aus Athen und Piräus, die auf dem Weg nach Karpathos sind, von dem sie alle mal mehrere, mal wenigere Jahre weg waren.
Am späten Mittag segeln wir vom Hafen Piräus ab und legen früh am Abend in der Bucht von Sounion an, wo wir übernachten. Früh morgens am Samstag, dem 31. August, brechen wir auf und erreichen spät am Abend die Schinoussa-Bucht von Naxos, wo wir anlegen und wieder übernachten, denn wir durchqueren noch Meereszonen, die noch nicht von herrenlosen Minen gesäubert sind.
Bei Tagesanbruch am Sonntag, dem 1. September, brechen wir wieder auf. Wir fahren an Amorgos vorbei, kommen auf dem offenen Meer am Agios Ioannis von Astypaläa und an Astakía vorbei, umschiffen Saria und nach einer 24 Stunden dauernden und aufgewühlten Fahrt kommen wir bei Tagesanbruch am Montag, dem 2. September im Haupthafen von Karpathos, Pigadia, an.

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Äußerst lebhaft wird mir der erste Eindruck des Hafens und des Städtchens Pigadia im Gedächtnis bleiben. Das Gebäude der Hafenpolizei und des Zollamts beherrschen die Hafenküste und stimmen uns ein.
Ihr mittlerweile griechisches Personal, der Leiter der Hafenpolizei Herr G. Frankoulis aus Arkassa, und des Zolls Herr Georgios Nouarakis aus Menetes, empfängt uns herzlich und gewährt uns jede Unterstützung.
Die asphaltierte Küstenstraße in Pigadia, ihre kleinen, aber gepflegten Läden, ihre ansehnlichen und sauberen Kafenia und ihre Strandgeschäfte, ihre schönen Häuser und die das andere Ende des Städtchens beherrschenden stattlichen Gebäude der Polizei, der Verwaltung und der Post, deren Dienstleistung übrigens die tadelloseste von allen anderen öffentlichen Dienststellen ist, die es auf Karpathos je gab, dank des lobenswerten Engagements und Fleißes des seit Jahren die Poststelle von Karpathos leitenden jungen Mannes, Herrn Logoth. Diakidos aus Aperi, und die Schule, unter der Leitung des Herrn Vasil. Oikonomidis, Sohn des unvergessenen Lehrers.
Alles das verleiht Pigadia Leben und die Individualität eines lebhaften Städtchens, und führt dazu - auch wegen ihres Platzes und wegen der Konzentration der Behörden und vor allem wegen des Hafens - dass Pigadia das Herz von Karpathos darstellt und für immer darstellen wird.
Und weil in diesen Tagen viel geredet wird über die Verfügbarkeit erheblicher Summen und zwar in Dollars, von seiten der karpathischen Organisationen „K.E.P.A.“ und „Omonia“ usw. für die Schaffung eines gemeinnützigen Werkes, was auch immer das sein möge, und wo auch immer es umgesetzt werden möge, wird es nicht möglich sein, es erfolgreich zu verwirklichen und dass es den objektiven Zwecken entspricht, wenn nicht vorher ein kleiner Hafen angelegt wird, oder wenigstens der schon vorhandene Wellenbrecher im Hafen um 20 bis 30 Meter verlängert wird, um sicheres Anlegen für kleine und große Schiffe zu jeder beliebigen Jahreszeit zu gewährleisten.
Denn ohne Hafen oder einen sicheren Wellenbrecher im Hafen wird weder unsere Volkskunst noch der Tourismus auf unserer Insel die Möglichkeit zur Entwicklung haben, und auch jede Verkehrsverbindung von uns mit ihr, besonders im Winter, wird stets weiterhin problematisch sein.
Vor jedem anderen gemeinnützigen sofortigen Werk also, dessen dringender und hervorragender Notwendigkeit Karpathos bedarf, ist es die sofortige Errichtung oder die Verlängerung des Hafenwellenbrechers und in diese Richtung müssen sich alle Organisationen und Privatleute rasch und entschieden bewegen.
Die oben erwähnten öffentlichen Gebäude von Pigadia, zusammen mit der bewundernswerten Bezirksstraße, welche die mittleren und unteren Dörfer von Karpathos zusammenführt, beginnend von Pigadia und über Aperi – Volada – Othos – Piles – Finiki – Arkassa – Menetes wieder in Pigadia endend mit einer Länge von 47 Kilometern, und die andere militärische Straße von Menetes nach Lakki – Afiartis – Kastellos mit einer Länge von 11 Kilometern, die teilweise ab 1930 geschaffen und in den Jahren des Krieges fertiggestellt wurden, stellen die einzigen Arbeiten dar, für welche wir den Italienern dankbar sein müssen, während Karpathos und der ganze Dodekanes für alles andere nur mit Grauen an das Vergangene zurückdenken wird.
Das Auto der UNRRA - dank der Vermittlung des geschäftigen Angestellten Vas. Pittas aus Arkassa und des freundlichen Entgegenkommens der Vorgesetzten Miss Mairi - bringt mich am Dienstagmittag, dem 3. September, zur ersten Erkundungsfahrt aus Pigadia heraus und ich habe die Straßenrunde abgefahren und die Straßenführung und die überwältigende Aussicht insbesondere beim Küstenteil von Piles bis Exiles bei Menetes mit der Sicht des endlosen Blaus des Meeres und dem stattlichen Gebirgsklotz von Kasos, der Meerenge Karpathos-Kasos und dem südwestlichen Teil der Afiartis-Ebene bewundert.
Hätte die leichtfertige und gewissenlose Reaktion einiger charakterloser Karpathen vor Monaten nicht die Pläne der UNRRA oder der Verwaltung für die Erweiterung des Straßennetzes von Karpathos nach Norden für den Bau einer Straße Piles-Mesochori zunichte gemacht, wodurch die Straßenverbindung auch mit Olympos müheloser geworden wäre - eine in jeder Hinsicht verbrecherische Tat, und nicht nur für die Berggemeinden, sondern für ganz Karpathos - dann hätten wir bald ein ausgezeichnetes Straßennetz gleichwertig mit dem von Rhodos …

Aus: Φράγκος, Αναστάσιος Ν.: Κάρπαθος : τα καρπαθιακά μου δημοσιεύματα : ιστορικά - φιλολογικά - δημοσιογραφικά κλπ. - Αθήνα, 1957
Aus dem Griechischen übersetzt von Karpathiote

Erläuterungen:
K.E.P.A. = Karpathian Educational Progressive Association
Omonia = Kulturverein von Aperi
UNRRA = United Nations Relief and Rehabilitation Administration, in Europa von 1943-1946 tätig


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Fahrt von Piräus nach Karpathos im Jahr 1946
BeitragVerfasst: Di 12. Jan 2021, 17:37 
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Finiki

Ein altes Glanzstück von Karpathos, Finiki, während der alten großen Blütezeit bis 1940, wo es den wichtigsten Schiffahrtshafen von Karpathos darstellte mit den Segelbooten der unvergessenen Kapitäne Emm. Pittás, Nik. Felouzís, Ath. Patsourákis, Mich. Pittás, Emm. Felouzís, Kon. Pittás, Nik. Emmanouilídis, Ilías Patsourákis usw., ist nunmehr endgültig erloschen.

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Dort, wo einst das Leben pulsierte, mit dem andauernden Handelsbetrieb der großen Geschäfte von Finiki, von Varíkas, von Praxoúlis, von Giavásis, von Felouzís, von Kamarátos, von Oikonomídis usw. Jetzt gibt es nichts mehr außer Verlassenheit.
Sein Hafen, trotz der vollkommenen Ausbesserung seines Kais, weist keinerlei Betrieb mehr auf, außer unregelmäßiger und seltener Annäherungen von Fischer- oder Schwammfischerbooten. Außer dem Niedergang zur See zeigt sich derselbe auch zu Lande, denn keines der alten Handelsgeschäfte existiert mehr.
Wäre hier nicht die Polizeistation von Finiki – Arkassa, das Amt des Zollvorstehers von Finiki und der Ausgangspunkt der Buslinie Finiki – Arkassa – Menetes – Pigadia, hätte er keinen anderen Betrieb aufzuweisen, angesichts der Tatsache, dass die hier verbliebenen Familien äußerst wenige sind.
Die Wiederbelebung des alten Betriebs und der Blütezeit von Finiki ist nunmehr unmöglich, bei dem erstaunlichen Fortschritt Pigadias. Die Vertiefung aber und die kleine technische Verbesserung des kleinen Hafens von Finiki durch die Erschaffung eines kleinen Kais wird aber einigermaßen ermöglichen, dass er wieder einen wenn auch kleinen Betrieb erfährt als relativ sicherer Stützpunkt für anlegende Fischer-, Schwammfischer- und durchkommende Boote der Meeresgegend Karpathos – Kasos – Kreta – Astakia.

Arkassa

In der kleinen und schönen Ortschaft Arkassa, Geburtsort meines Vaters, mit seinem Reichtum an Grün und an Wasser, seinen weißen kleinen und sauberen Häusern, den schönen bogenförmigen Brücken der öffentlichen Umgehungsstraße, ein Werk des ausgezeichneten örtlichen Handwerkers Kon. Fránkos, fand ich eine wahrhaftige Wiedergeburt.
Arkassa hat den jüngsten Bürgermeister nicht nur aller Bürgermeister von Karpathos, sondern des gesamten Dodekanes, den geschäftigen jungen Minás Kamarátos, dessen Arbeitsfleiß die Gemeinde viel verdankt.
Die Kirche Ypapanti wurde neulich mit dem jungen auserwählten Priester, dem ehrwürdigen Herrn I. Konstantinídis verstärkt und dank des Interesses des in Arkassa wohnenden ehemaligen Vorsitzenden der „Bruderschaft der Karpathioten Athens“, Herrn Michail Pachoúlis, renoviert und die Kriegsschäden ausgebessert und dank der Spenden seines Sohnes Herrn Pávlos Pachoúlis mit neuen heiligen Büchern und Geräten bereichert.
Die UNRRA errichtet ebenfalls ein wichtiges gemeinnütziges Werk in Arkassa, eine künstliche Wasserleitung von den Quellen bei den Mühlen, welche Arkassa durchquert und in der Ebene Platikampos der Agia Sofia endet, welche in kurzer Zeit, mit Bewässerung versorgt, viele bisher unfruchtbare Stremmata in fruchtbare Gemüsefelder umwandeln wird.
Wertvolle Altertümer und vor allem byzantinische Ruinen umgeben Arkassa, sich selbst überlassen, und wie mir die Lehrer Nik. Vasilarákis und Kon. Pazartzís sagten, werden sie noch heute für den bauliche Errichtung von Stavli verwendet.
Und die wenigen noch geretteten Mosaiken und Säulen der Agia Sofia leiden täglich unter unbarmherzigem Verschwinden.
Viele bewundernswerte Mosaiken der Agia Sofia haben italienische Archäologen vor Jahren in das Museum von Rhodos transportiert, einige von ihnen wurden von dort während der Kriegsjahre in unbekannte Richtung verbracht, und es wäre an der Zeit, nach ihnen zu suchen.
Am Platz dieser Kirche befindet sich auch der Friedhof von Arkassa, von dessen Gräbern sich die schlichten Gräber des seligen Angedenkens Arist. Alexiádis, der jahrzehntelang die Jugend von Arkassa gelehrt hat, und des unvergessenen Kapitäns Emman. Felouzís, einer der Gründer Finikis, abheben.
Ein spürbarer und ernsthafter Mangel in Arkassa ist das vollständige Fehlen einer eigenen Schule, und die Errichtung eines vorbildlichen und modernen Schulgebäudes auf jegliche Art und Weise und mit allen Opfern muss das erste Anliegen einer Regierungs- und Privatinitiative und -sorge sein, weil die Bildungsanstalten und insbesondere die Schulen jene sind, die das Maß der Kultur und des Bildungsstandes in Städten und Dörfern geben.


Aus: Φράγκος, Αναστάσιος Ν.: Κάρπαθος : τα καρπαθιακά μου δημοσιεύματα : ιστορικά - φιλολογικά - δημοσιογραφικά κλπ. - Αθήνα, 1957
Aus dem Griechischen übersetzt von Karpathiote


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 Betreff des Beitrags: Re: Die Fahrt von Piräus nach Karpathos im Jahr 1946
BeitragVerfasst: Mi 13. Jan 2021, 22:08 
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Karpathiote :klatsch: :klatsch:

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Gruß Schängel Koblenz
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