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Wie die Ypapantí auf Armáthia gebaut wurde

Verfasst: Mo 7. Sep 2026, 11:00
von Karpathiote
Gründungsmythen von Kirchen auf Kasos ; Nr. 7

Wer auf Kásos wandert, sieht vor Kásos einige kleinere Inseln liegen, die heute unbewohnt sind. Insgesamt handelt es sich um achtzehn kleine Inseln. Die größte und wichtigste von ihnen ist die Insel Armáthia. Wie wir aus der folgenden Geschichte erfahren, wohnten früher Menschen dort, die Insel wurde landwirtschaftlich genutzt und der Gips, der noch bis wenige Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs auf Armáthia abgebaut wurde, wurde mit Schiffen nach Odessa am Schwarzen Meer oder nach Alexandria (Ägypten) gebracht. Heute ist Armáthia unbewohnt, die Insel wird aber während der Sommersaison noch von Touristen besucht, die sich von Fry aus für einen Badeausflug an Armáthias schöne Strände bringen lassen.
Ypapantí (aus dem Griechischen für „Begegnung“) ist ein bedeutendes christliches Fest, das am 2. Februar gefeiert wird. Es erinnert an die Darstellung Jesu im Tempel und seine Begegnung mit dem greisen Simeon und der Prophetin Hanna. In der westlichen Kirche entspricht es dem Fest Mariä Lichtmess.


Es ist noch nicht so viele Jahre her, es war damals, als sie den Gips auf Armáthia abgebaut haben und die Schiffe ihn anfangs nach Russland, später nach Alexandria gebracht haben. Auf Armáthia wohnten viele Familien, die hatten auch auf Kásos ein Haus, aber die meiste Zeit lebten sie auf Armáthia, wo sie ebenfalls einen Haushalt führten, sie hatten dort Schafe und Ziegen und sie bestellten dort auch die Felder. Jeden Abend trafen sie sich mal in dem einen, mal in dem anderen Haus. An irgendeinem Abend sah einmal jemand dort in Richtung Voúlisma ein Licht, als ob es ein angezündetes Öllämpchen wäre. Alle schauten hin und sahen es, sie wunderten sich anfangs, dann gab jemand eine Erklärung: Dort, sagte er, befindet sich jemand mit einer Laterne. Sie achteten nicht weiter darauf. Doch an jedem Abend sah man dort, am selben Ort, ein Licht. Irgendetwas ist dort los, dachten sie, denn sie wussten, dass kein Armathiote bei der Abendversammlung fehlte und dass sich kein Boot der Insel genähert hatte. Sie beschlossen also, sich hinzubegeben und noch einmal nach Voúlisma zu gehen, doch sie fanden nichts.
Fast wäre das Ganze in Vergessenheit geraten, als eines Tages ein Armathiote seine Axt nahm und nach Voúlisma ging, um Holz zu hacken. Er kam an, einen Schlag hier, einen Schlag dort, er machte das Holz klein. Aber ein Axthieb war, als er zuschlug, anders, nicht als ob er auf einen Ast schlug. Er beugte sich nieder, was sieht er da? Er sieht eine Ikone mit einem Axthieb in der Mitte, er bekreuzigte sich und küsste sie, er las, dass es die Ikone der Ypapantí war.
Er ließ die abgeschlagenen Äste liegen, nahm die Ikone in seine Arme und ging hinunter. Sie erinnerten sich an das Licht, das sie abends gesehen hatten, und sie beschlossen, eine Kirche zu bauen, in der sie die Ikone unterbringen konnten. Aber wo sollten sie sie bauen? Einige beharrten darauf, man müsse sie dort bauen, wo die Ikone gefunden wurde, andere sagten nein, es ist zu weit weg dort, es ist besser, sie in der Nähe des kleinen Hafens zu bauen, wo sie selbst alle leicht hin gehen könnten und alle, die nach Armáthia kämen. Das beschlossen sie dann und sie bauten dort die Kirche.

Quelle:
Σοφός, Αντώνης Μηνάς: Τα λαογραφικά της Κάσου. - Τομ. 4, Σύμμεικτα. - Αθήνα : Σοφός, 1996, S. 160-161
Blick auf Agia Marina und Armathia kl.JPG
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Re: Wie die Ypapantí auf Armáthia gebaut wurde

Verfasst: Mo 7. Sep 2026, 13:04
von Schängel Koblenz
Wie immer, vielen Dank für deine Ausführungen. :thumb-up: