So: Hatte hier ja schon vor längerer Zeit versprochen, meinen Bericht hier einzustellen. Jetzt lege ich einfach mal los. Natürlich werden sich einige Dinge wiederholen, die ich ja bereits unter "Amopie vor 30 Jahren" geschrieben habe. Auch kann ich nicht garantieren, dass nach so langer Zeit mein Erinnerungsvermögen so gut ist, dass ich alle Namen von Personen richtig wiedergeben oder Ortsnamen bzw. Erlebnisse der Jahre 1983 und 1984 eventuell verwechseln werde.
Vor Karpathos:
Infiziert war ich vom Griechenland-Virus schon seit meiner Jugend bzw. Kindheit. Schuld daran waren die Dia-Abende von Freunden meiner Eltern. Eigentlich waren Dia-Abende ja immer Stimmungstöter und für Kinder stinklangweilig. Aber die waren in den 60er jahren schon mit einem VW-Käfer nach Griechenland gefahren und das war spannender als jeder Abenteuerfilm. Seit ich diese Bilder gesehen habe, wußte ich: Da muss ich auch mal hin. In den 70ern habe ich dann einen Bericht in der ADAC-Zeitschrift über die griechischen Inseln gelesen, in dem auch Karpathos beschrieben wurde: "Ein Geheimtipp für Robinson-Typen". Da habe ich das erste Mal von dieser Insel gehört und sie ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Habe dann in den nächsten Jahren sogar immer etwas von meinem Taschengeld gespart, damit ich irgendwann davon nach Griechenland fahren kann.1980 war es dann soweit: An meinem 18. Geburtstag starte ich mit einem Freund zu meiner ersten Griechenland Reise: Damals, Anfang der 80iger Jahre gab es verschiedene Strömungen in der Jungend: Es gab Popper, Punker, Alternative. Ich fühlte mich eher zu der letzten Gruppe hingezogen, was neben diversen Aktivitäten auch eine Grundeinstellung was Reisen anbelangte mit sich zog: Entweder per Anhalter oder Zug, ohne großen Plan, möglichst Ziele finde, wo nicht jeder hinkommt, weitab vom Massentourismus. Man hat die legendären Berichte vom Hippie-Trail gelesen, aber auch von den Hippies, die in den 60er und 70er Jahren auf den griechischen Inseln lebten. Wir wählten die Fahrt per Inter-Rail: Dortmund-Athen in 55 Stunden. Jetzt könnte mein Bericht natürlich ausufern, wenn ich alle meine Erlebnisse in Griechenland von 1980 bis 1982 hier ausführen würde; es soll ja hauptsächlich um Karpathos gehen. Es gibt ja viele schöne Urlaube, an die man gute Erinnerungen hat: schöne Strände, gute Unterkunft, gutes Essen. Aber meine Griechenland-Reisen haben sich für immer in mein Gedächnis eingebrannt. Da waren in den ersten beiden Jahren, die unendlichen Zugfahrten, es schien kein Ende zu nehmen durch Jugoslawien, wo der Zug auch dann noch stundenlag in brütender Hitze stehenblieb. Schlafen in überfüllten Zugabteilen oder Gepäcknetzen und nach 3 Tagen im Zug kaum noch zu ertragende sanitäre Verhältnisse. Dann die Belohnung: In Athen angekommen, mit dem Taxi nach Piräus und mit dem Schiff nach Kreta. Übernachtung mit Schlafsack an Deck, ein unbeschreibliches Erlebnis, weiter zu dem 1980 noch relativ unverdorbenen Matala an der Südküste, Perissa auf Santorin, wo die Dusche direkt über dem Plumsklo angebracht war, der wunderschöne weiße Ort Phira hoch über dem Kraterrand: So hatte man sich die Kykladen immer vorgestellt. Weiter nach Ios, wo wir am Strand des Hauptortes übernachtet haben uns uns vor Angst vor eventuell in die Ohren krabbelden Tiere die selben mit Klopapier ausgestopft haben. Am nächsten Abend zu einem traumhaften Strand mit Campingplatz, wo wir dann am nächsten Morgen zu unserer Überraschung feststellten, das wir auf einem FKK-Gelände gelandet sind. Mykonos nur einen halben Tag, damals schon eine Partyinsel wie Ibiza, allerdings mit wunderschönem Hauptort. Zurück über Athen nach Patras und Korfu und Venedig nach Hause. 1981 dann die große Variante mit dem Zug über Paris (3 Tage Aufenthalt ), Italien, dem damaligen Jugoslawien per Bus und Schiff nach Dubrovnik, weiter per Schiff nach Korfu: Auch dort prall gefüllt mit unvergesslichen Erlebnissen: Übernachtung am Strand, der verzweifelte Versuch zu fünft per Anhalter von der Ostseite zur Westseite der Insel zu gelangen, was dann in einem fast zehnstündigen Marsch mit Rucksäcken bei brütender Hitze endete. Auch die Bekanntschaft mit den oft lockeren Beschreibungen der Griechen von Entfernungen zu den nächsten Orten gemacht: " Da vorne links, nur noch 2 Kilometer....Stunden später..

, aber auch die Herzlichkeit der Menschen: Eine alte Frau schenkt uns müden Wanderern Weintrauben. Die Belohnung für die Wanderung war dann ein kilometerlanger Dünenstrad, teilweise menschenleer und am Abend dann das Ziel erreicht: Ein wunderschönes Dorf (Namen weiß ich nicht mehr), wo wir mit köstlichem Suflaki und viel Retsina den Tag ausklingen ließen. Weiter mit dem Schiff nach Igomenitsa und einer wahsinnigen Überlandfahrt mit dem Bus nach Athen, dann wieder Kreta, diesmal zum Komo-Strand, Nähe Matala, wo wir eine Woche am Strand übernachtet haben. Natürlich kann man heute im Rückblick das Hippie-Rucksacktouristen-Leben an diesen Stränden auch kritisch sehen: Wir wollten anders sein als die Pauschaltouristen, anderseits waren wir auch in unserer eigenen Welt. Und viele Freitzeithippies haben es im Gegensatz zu ihren echten Vorgängern dann mit der Müllentsorgung nicht mehr so genau genommen, letzlich wurden die Rucksacktouristen auch zu einer Art Massenbewegung und von vielen Stränden Südkretas vertrieben. Na ja, ich habe die Zeit damals auf Südkreta wenigstens genossen, dazu der Soundtrack meines Lebens in den Tavernen mit den Stones , Beatles, Neil Young und es hatte schon was, wenn bei "Shine on you crazy diamond" die Sonne über dem lybischen Meer unterging. Aber auch die griechische Musik gehörte immer dazu, habe mir später in Athen eine Platte von Theodorakis gekauft. Zurück ging es dann wieder per Schiff nach Piräus und dann 65 Stunden (davon 10 Stunden stehend bis Thessaloniki) im Zug über Paris nach Hause. Jetzt bin ich doch zu ausführlich geworden, deshalb 1982 nur kurz: Zum ersten mal mit dem Flieger nach Athen (im Oktober), wieder Kreta, diesmal Myrtos (fast menschenleer um diese Jahreszeit), Matala und Komo und vorher noch Santorin mit Günter, Andrea und Petra, die ich in Athen kennengelernt habe. Inzwischen war ich schon so von Griechenland gefangen (befangen?), dass ich mich sogar für 2 Tage Athen begeistern konnte, wo ich vorher eigentlich immer schnell weg wollte. Haben dann in der Plaka auf dem Weg zur Akropolis etwas abseits auf dem Dach eines Hauses einen griechischen Gitarrenspieler bei viel Rotwein gelauscht, ein wunderschöner Abend, jetzt hatte mich auch Athen in seinem Bann.
Das war nur ein kleiner Ausschnitt von den vielen unvergesslichen Momenten, die ich bis dahin in Griechenland erlebt habe, da könnte ich mich in einen echten Rausch schreiben, aber ich will es ja jetzt nicht übertreiben.
Als ich mich auf Santorin von Günter verabschiedete, hatte er vor, noch weiter nach Karpathos zu fahren, Karpathos da war doch noch was: Ja nächstes Jahr bestimmt.......
Karpathos 1983 und 1984
Wenn man jahrelang einen Traum verfolgt und dieser dann Wirklichkeit wird, folgt dann oft Ernüchterung oder Entäuschung, wenn man die Realität sieht. Karpathos hat meine Erwartungen bei weitem übertroffen, eigentlich war Karpathos die Insel, wie ich mir eine griechische Insel immer vorgestellt oder erträumt habe.
1983 im Juli wieder mit dem Flieger diesmal von Frankfurt nach Athen, mit dem festen Ziel, endlich nach Karpathos. So einfach war das damals nicht: Entweder mit dem Schiff von Athen (ca. 26 Stunden ) oder über Kreta. Einen Charterflugplatz hatte Karpathos damals nicht, man konnte die Insel nur innergriechisch anfliegen. Ich entschied mich, über Kreta nach Karpathos anzureisen. Als ich auf Kreta ankam, ging die nächste Fähre nach Karpathos in einer Woche. Habe mir in Iraklion sofort ein Ticket von Agios Nikolaos nach Pigadia geholt. Also noch eine Woche Kreta, diemal fahre ich nach
Paleochora an der Südwestküste, wo ich eine wunderrschöne Woche verbringe. Dann die lange Busfahrt von Paleochora die Nordküste entlang nach Agios Nikolaos. Meine Fähre geht erst spät Abends, also wieder warten, aber das kannte ich ja schon von meinen vorherigen Reisen. Stundenlanges Warten in Bahnhöfen oder Häfen, man muss es mit griechischer Gelassenheit nehmen. Sehe von einer Taverne im Hafen stundelang den Surfern zu bis meine Fähre endlich kommt. Bin von der Busfahrt und dem langen Tag schon ziemlich kaputt als ich aufs Schiff gehe und dann mitten in der Nacht auf Karpathos ankommen ohne Unterkunft: das kann ja heiter werden. Schlafe wieder auf Deck und dann endlich, zum ersten Mal: Karpathos in Sicht. Pigadia hell erleuchtet, mitten in der Nacht. Was ist da los? Später erfahre ich, dass es wohl ein grosses Fest (Hochzeit?) gegeben hat, deshalb sind noch so viele Leute unterwegs. Als ich vom Schiff gehe kommen mir gleich mehrere Kinder entgegen: "Rooms, rooms?". Ich bin noch unentschlossen und total müde, setze mich zunächst in eine noch offene Taverne. Da lerne ich Sonja aus Linz mit ihren Begleitern und Udo aus Frankfurt kennen. Die erzählen mir, dass sie in der Nähe von Amopi, in Kastellia (ich bleibe jetzt bei Kastellia, wir haben den Ort damals immer so genannt und auch die Taxifahrer haben uns immer nach Kastellia gebracht, gehört aber wohl zu Lakki) wohnen. Da gibt es einfache Hütten, die von George bzw. Jorge/Jorgos, wie es griechisch wohl heißt (danke Walter) vermietet werden. Aber wie bekommen wir die Nacht jetzt rum? Ganz einfach: Im Hafen gibt es 2 Kafenios und ein Cafe, das etwas komfortabelere Stühle hat. Wir entscheiden uns für das Cafe, schieben einige Stühle zusammen und übernachten dort im Freien. Die Morgensonne weckt uns und zum ersten Mal sehe in Pigadia im Hellen. Der Ort schläft noch, Fischerboote dümpeln im Hafen, selbst hier ist das Meer noch glasklar. So langsam erwacht Pigadia und wir gehen zum Frühstück ins Kafenion
...so, jetzt mache ich eine kleine Pause, will bis hierhin erst mal speichern, nicht das alles umsonst war,
..gleich gehts weiter