Kasos

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Schängel Koblenz
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Re: Wandern auf Kasos

Beitrag von Schängel Koblenz »

Vielen Dank für deinen Hinweis.
Tolle Sache, die hoffentlich hilft, noch eine paar Gäste mehr auf die Insel zu bekommen.

Schön gemachte Homepage. :thumb-up:
Gruß Schängel Koblenz
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MartinPUC
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Re: Kasos Princess: neuer Fahrplan Frühjahr 2026

Beitrag von MartinPUC »

Danke fürs Posten, Sirtos. Ich schau mal, ob ich's dieses Mal nach Kássos schaffe, lieber Schängel - die Chancen stehen nicht schlecht, noch dazu bei so einem Wanderroutenangebot.

Gruß
Martin
MartinPUC
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Re: Wandern auf Kasos

Beitrag von MartinPUC »

Die Gemeinde Kassos hat an der internationalen Wandertourismusmesse Le Salon du Randonneur in Lyon, Frankreich, teilgenommen.
Der Auftritt war Teil eines dynamischen Gemeinschaftspavillons von „Paths of Greece“, an dem auch die Gemeinden Kándanos-Sélinos (West-Kreta), Íthaka und Kýthira sowie die Fremdenverkehrsabteilung von „Paths of Greece“ beteiligt waren.
Ziel war es, die notwendigen Informationen zur Infrastruktur der Insel bereitzustellen und das Wander- und Radwegenetz von Kassos zu bewerben sowie die vielfältigen Freizeitmöglichkeiten zu präsentieren. Die Veranstaltung war ein Treffpunkt für über 12.000 begeisterte Wanderfreunde und bestätigte damit das Potenzial des französischen Marktes für alternativen Tourismus.

https://www.dimokratiki.gr/15-04-2026/s ... s-gallias/

Nun werden wohl deutlich mehr Franzosen die Heroische Insel besuchen, mal schauen.

Gruß
Martin
Sirtos
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Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Sirtos »

Geplant war es schon länger, aber dieses Frühjahr hat es nun endlich geklappt mit dem Wiederbesuch von Kassos (ich hoffe, das ist ok hier im Unterforum - Karpathos und Kassos gehören ja irgendwie zusammen).

Der letzte Besuch auf Kassos lag 18 Jahre zurück, aber eigentlich hat sich nicht so viel geändert (also im Vergleich zu anderen griechische Inseln). Mitte Mai ist es noch sehr entspannt und ruhig auf Kassos.
Vor allem wollte ich auf den Kasos Trails wandern. Dazu hatte ich reichlich Gelegenheit. Und habe eigentlich nie andere Wanderer unterwegs getroffen (außer am letzten Tag, aber das waren eher Spaziergänger, und auf der Straße).

Teil 1 meiner Kassos-Berichte ist jetzt online:
https://www.nissomanie.de/dodekanes/kas ... ch-kassos/
Grüßle,
Sirtos
Karpathiote
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Re: Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Karpathiote »

Ergänzend zu dem Bericht von Sirtos hier noch ein Reisebericht vom Mai 2019, der zuerst in "NeaFoni", Jg. 9, Ausg. 20, Juni 2020, S. 30-35 veröffentlicht worden ist.

Kasos - „Olo to nisi ine kalesmeno“
von Markus List

Mai 2019. Kurz nach 9 Uhr fährt die „Kasos Princess“ in den Hafen von Pigádia, der Hauptstadt von Kárpathos, ein. Der Kapitän Giórgos Manoúsos hat die Kasos Princess selbst gebaut – die Kasioten haben eine lange Tradition als Schiffsbauer und Seefahrer – und stellt mit seiner Jacht die Verbindung zwischen Kásos und Kárpathos her. Auch seine beiden Söhne sind mit an Bord, sie helfen beim Anlegen, verstauen das Gepäck und kontrollieren die Tickets. Außer mir und meiner Frau wartet noch ein weiteres Ehepaar darauf, nach Kásos übergesetzt zu werden, außerdem rund 60 Schülerinnen und Schüler des Lyzeums von Pigádia. Sie haben heute ihren Ausflugstag und werden die kleine Nachbarinsel Kásos erkunden. Viele von ihnen kennen Kásos noch nicht, obwohl die Insel nur 3 Seemeilen von Kárpathos entfernt liegt. Am späten Nachmittag werden sie mit der Kasos Princess nach Kárpathos zurückkehren, wir hingegen wollen uns fünf Tage Zeit zur Erkundung der Insel nehmen.

Nach eineinviertel Stunden legen wir im Fährhafen der Inselhauptstadt Fry an und beziehen unsere Unterkunft. Schon bei der Anfahrt auf Fry richtet sich der Blick auf die Kirche Agios Spyrídonas, die über dem malerischen kleinen Fischerhafen „Boúka“ liegt. Auf Kásos leben ganzjährig etwa 1.000 Menschen. Es gibt fünf Dörfer, die alle im Nordteil der Insel nah beieinander liegen und alle zu Fuß erreichbar sind. Am belebtesten ist Fry, wo es mehrere Tavernen und Kafeneia, Hotels, eine Bibliothek und eine Post gibt. Obwohl es laut unserem Vermieter keine Kriminalität auf Kásos gibt, hat es auch eine Polizeistation: wir sehen den Inselpolizisten mit seinem Motorrad an uns vorbeifahren – ohne Helm natürlich …
Lohnenswert ist in Fry auch ein Besuch des Museums, wo archäologische Fundstücke der Insel zu besichtigen sind. Der untere Raum zeigt eine traditionelle kasiotische Wohnstube mit Soufá (Schlafempore), Haushaltsgeräte und Waffen. Der Eintritt ist kostenlos. Bei unseem ersten Spaziergang durch Fry fallen uns zwei Dinge sehr positiv auf: wir werden von jedem Bewohner freundlich gegrüßt und es liegt nirgends Abfall herum; Kásos ist ein Vorbild, was Sauberkeit betrifft.
In 500 m Entfernung von Fry liegt der alte Hafenort Emboriós mit weiteren Restaurants, die allerdings Anfang Mai noch geschlossen waren. In Emboriós gibt es einen Badestrand mit Tamarisken; die dortige Panagiakirche wird derzeit renoviert.
Die frühere Hauptstadt der Insel, Agia Marína, liegt oberhalb von Fry, auch hier gibt es Einkehrmöglichkeiten. Am südlichen Ortsende führt an der Kirche Agios Fanoúrios vorbei ein Weg zur Höhle Ellinokamára, die etwa 10 Gehminuten vom Ort entfernt liegt. Diese Höhle ist auch begehbar, die Vorderfront ist fast bis oben mit großen Steinblöcken aus dorischer Zeit verschlossen. Die Höhle war damals eine Kultstätte und diente später bei Gefahrensituationen als Schutzraum für die Bevölkerung. Für Höhlenfreunde gibt es eine weitere begehbare Höhle mit Stalagmiten und Stalaktiten, die Stylokamára. Man erreicht sie von Fry aus auf der Straße nach Agios Geórgios tis Chadiés. Nach rund 3 km führt nach einer Rechtskurve ein Feldweg rechts hinauf zum Profítis Ilías, der nach 1 km Anstieg erreicht wird und eine herrliche Sicht auf die Inseldörfer bietet. Wenn wir diesem Feldweg nur 500 m folgen, erreichen wir auf der linken Seite ein Ziegengehege. Dort steht ein Wegweiser zur Stylokamára; wir verlassen den Feldweg nach links, gehen um das Ziegengehege herum und biegen danach rechts ab. Wir gehen an der Trockensteinmauer entlang und an ihrem Ende geradeaus leicht bergab etwa 400 m weiter. Kurz vor der Höhle steigt der Wanderweg wieder etwas an, bevor wir scharf nach links abbiegen und nach 20 m den Höhleneingang erreichen. Zur Besichtigung der Höhle sollte man eine Taschenlampe bei sich haben. Und Vorsicht: in der Höhle halten sich auch Ziegen auf!

Für die Fahrt von Fry zum Kloster Agios Geórgios tis Chadiés und zum Strand Chélatros ganz im Süden der Insel haben wir bei der einzigen Autovermietung in Fry ein Auto gemietet; die einfache Strecke beträgt 16 km, das war uns zu weit, um zu Fuß dorthin zu gehen. Am Chélatros-Strand steht eine Statue von Elefthérios Venizélos, der im März 1935 auf seinem Weg in die Verbannung hier auf Kásos Halt gemacht hat.
Zum Kloster Agios Mámas im Nordosten von Kásos sind wir von Fry aus hingewandert. Dabei haben wir unterwegs den ruhigen Ort Panagía mit den „Exi Ekklisíes“ (6 Kirchen) besichtigt. Der oberhalb davon liegende Ort Póli wurde 1912 bei einem Erdbeben zerstört und danach wieder neu aufgebaut. Hier haben wir eine Vesperpause bei der beeindruckenden Agia-Triáda-Kirche gemacht und hatten das Glück, dass die Mesnerin vorbeikam und uns die Kirche aufgeschlossen hat. Vom Agios Mámas aus hat man einen herrlichen Blick auf das Libysche Meer, unten direkt vor der Küste fallen drei Felsen ins Auge: der Volkssage nach waren das einst Piratenboote, die dank der Bitten eines Mönches zu Felsen verwandelt wurden. Von der zum Agios Mámas hochführenden Straße geht kurz vor dem höchsten Punkt eine Abzweigung nach links zur Kirche Agia Kyriakí ab; die Aussicht von dort oben sollte man sich keinesfalls entgehen lassen.
Mehrmals haben wir von Fry aus einen 20minütigen Spaziergang in den Nachbarort Arvanitochóri unternommen. Die Kirche Agios Dimítrios im Süden des Ortes wurde 1864 gebaut. Im Kafenion „I Maroúkla“ am Dorfplatz lohnt sich ein Blick ins Innere; der freundliche Wirt Níkos zeigt gern seine Sammlung historischer Gegenstände an den Wänden: ein zur Käseherstellung verwendetes Rührgerät, ein Hirtenstock, ein traditioneller Hirtenvesperbeutel und anderes mehr. Auf den Holzleisten an den Wänden sind unzählige Teller und Becher aufgereiht.

Eine schöne, aber dem Wind ausgesetzte Wanderung führt von Fry aus am kleinen Flughafen vorbei. Am Ende der Landebahn befindet sich auf der linken Seite die Kirche Agios Geórgios tis Vrýsis, aus der tatsächlich ein kräftiger Wasserstrahl herausströmt. Die Straße führt an der Westküste entlang weiter zum Strand Ammoúa, zur Kirche Agios Konstantínos und zum Strand und Denkmal bei Antipératos. Das Denkmal erinnert an den von den Kasioten als „Holocaust“ bezeichneten Überfall einer türkisch-ägyptischen Armada am 7. Juni 1824, bei dem alle waffenfähigen Männer umgebracht und die Frauen und Kinder versklavt wurden. Kásos hatte zu dieser Zeit ungefähr 7.000 Einwohner; es handelt sich um das tragischste Ereignis in der langen Geschichte von Kásos. In Antipératos endet dann auch die Westküstenstraße, man geht einen Kilometer zurück und wandert dann rechts hinauf nach Agia Marína.
Bei den Wandeungen auf Kásos fallen die vielen Windmühlen auf. Der Schriftsteller und Historiker Michális K. Skouliós hat in seinem Buch „Οι ανεμόμυλοι και τα αλλεττουργειά της Κάσου” (Die Windmühlen und Ölpressen auf Kásos), erschienen 2001, eine Bestandsaufnahme aller erhaltenen oder im Verfall begriffenen Windmühlen gemacht. Danach gab es 1999 auf Kásos 58 Windmühlen. Im Unterschied zu den Windmühlen der Nachbarinsel Kárpathos, die hufeisenförmig sind, haben die Windmühlen auf Kásos allerdings eine kreisrunde Form.

Eines Abends treffen wir in der Taverne „I oréa Boúka“ in Fry einen älteren Griechen, mit dem wir ins Gespräch kommen. Er hat in Wien studiert und lädt uns zu einer Veranstaltung zwei Tage später in der Bibliothek ein. Es handelt sich um eine Gedenkveranstaltung für den kasiotischen Kapitän und Dichter Dimítrios I. Antoníou, der am 4. Februar 1994 verstorben ist und dessen Gebeine seinem Wunsch gemäß auf seiner Heimatinsel ruhen sollten. Wir nehmen die Einladung gerne an und hören so die Vorträge der Bürgermeisterin von Kásos, Maíri Sorótou-Tsanáki, und von anderen Rednern. Die Bedeutung von D. I. Antoníou wird dabei mit der von Seféris und Elýtis verglichen, der Dichter ist aber weniger bekannt, da seine Gedichte nie vertont wurden. Für seine Werke „Indíes“ und „Tánka“ wurde er jeweils mit dem staatliche Poesiepreis ausgezeichnet.
Mehrfach wurden wir von Kasioten auf eine Hochzeit am Samstagabend hingewiesen und ausdrücklich dazu eingeladen: „Ólo to nisí íne kalesméno“ - Die ganze Insel ist eingeladen. Schon am Nachmittag hörte man von der Terrasse der Familie des Bräutigams kasiotische Musik mit Lyra und Laute. Am Abend wurde der Bräutigam samt Familie und Musikern vom Vater der Braut abgeholt und zum geschmückten Haus der Braut geführt. Da die Hochzeit in der Kirche Agios Dimitrios in Arvanitochóri stattfand, fuhren alle mit Hupkonzert von Fry dorthin. Nach der Trauung versammelten sich alle im Mégaron oder ums Mégaron herum. An ausgewählte Männer wurden dann Schürzen verteilt – die wenigen Touristen nicht ausgenommen. Die Schürzenträger hatten die ehrenvolle Aufgabe, sich zu einer Menschenkette aufzustellen und die Teller mit dem traditionellen Hochzeitsessen von Hand zu Hand aus der Küche an die Gäste zu verteilen. Nach dem Essen wurde zu Livemusik bis zum frühen Morgen getanzt. Für uns war es ein schönes Erlebnis und die Schürze habe ich in der Reisetasche auch noch untergebracht …

Am Morgen unserer Abfahrt mit der Kasos Princess nach Kárpathos trinken wir im Eckcafé bei Eléni noch einen Kaffee. Eléni spendiert uns noch Mizithrapiten zum Abschied …

Unser Fazit: Urlaub auf Kásos ist Urlaub unter Griechen. Gastfreundschaft wird hier großgeschrieben. Und die Einwohner freuen sich über jeden, der zu ihnen kommt. Die Bürgermeisterin von Kásos würde es selbstbewusst folgendermaßen ausdrücken: „Kásos ist nicht das Ende der Ägäis. Kásos ist der Anfang“.

Zuerst veröffentlicht in:
NeaFoni, Jg. 9, Ausg. 20, Juni 2020, S. 30-35.


Ein sehenswerter Film über die Insel Kasos aus dem Jahr 1957 von Nìkos Karakóstas findet sich hier:
https://www.youtube.com/watch?v=W6vkM81t5RA
Sirtos
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Re: Wandertage auf Kassos im Mai

Beitrag von Sirtos »

Da kam mir jetzt einiges bekannt vor ... signomi für mögliche Doppelungen.

Am zweiten und dritten Tag war ich auf den Kasos Trails 7, 4 und 5 unterwegs:
https://www.nissomanie.de/dodekanes/kassos/wanderungen/

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Im Mai 2026 ware es noch sieben Wandertrails (mit einer Variante 1a), gerade sind drei neue Trails (8,9 und 10) und drei Varianten (3a, 4a und 6a) dazugekommen.
https://kasostrails.gr/hiking/
Grüßle,
Sirtos
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Die Potamítissa bei Arvanitochóri (Kásos)

Beitrag von Karpathiote »

Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 2

Auf Kásos, der Nachbarinsel von Kárpathos, gibt es laut der Webseite kasos.gr 102 Klöster, Kirchen und Kapellen. Viele davon liegen in Gegenden mit bezaubernder Aussicht, z.B. die Agia Kyriakí, das Kloster Agios Mámas oder die Kapelle Profítis Ilías. Zu vielen Kirchen auf Kásos gibt es Volksüberlieferungen, wie es zu dem Bau der Kirchen gekommen ist. In loser Folge sollen hier im Karpathos-Forum solche Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos vorgestellt werden. Als Nr. 1 der Folge kann der Beitrag zur Entstehung der Panagía-Kirche in Emboriós angesehen werden:
https://karpathos-forum.de/viewtopic.php?t=3018

Hier soll jetzt auf die Entstehung der Panagía Potamítissa bei Arvanitochóri eingegangen werden.


Vom Dorfplatz beim Kafenion „I Maroúkla“ in Arvanitochóri (Kásos) verlassen wir den Ort in südlicher Richtung. Am Ortsende wird die Gasse zum Feldweg, wir gehen immer geradeaus weiter, anfangs an Oliven-, Mandel- und Feigenbäumen vorbei. Der Weg wendet sich dem ausgetrockneten Bachbett des „Skyllás“ folgend leicht ansteigend etwas nach links.
Karte von Kasos 11.JPG
Karte von Kasos 11.JPG (133.64 KiB) 241 mal betrachtet
Nach etwa 30 Minuten kennzeichnet ein blaues Kreuz an einem Felsen den Beginn des Fußpfades, der auf der linken Seite des Bachbetts in wenigen Minuten zum Kirchlein Panagía Potamítissa hochführt.
Potamitissa_Blaues Kreuz.JPG
Potamitissa_Blaues Kreuz.JPG (139.08 KiB) 136 mal betrachtet
Die Panagía Potamítissa, die in der Verkleinerungsform auch Potamissoúla genannt wird, hat ihr Kirchenfest am 21. November, denn bis dahin haben die Bauern noch auf ihren Feldern zu tun. Nach Erzählungen älterer Kasioten hat etwa um 1840 oder 1845 ein Hirte namens Kostaroúlis im Gebiet des ausgetrockneten Baches „Skyllás“ nach einer Ziege gesucht, die in jenen Tagen zur Welt gekommen war. Der Hirte wurde durch ihr Meckern zufällig zu der verborgenen Höhle geführt, die einige Schritte oberhalb des Bachbetts liegt. Damals war das ganze Gebiet von Büschen und Gesträuch überwuchert und nur schwer zugänglich. In der Nähe des vermissten Tieres erblickte er auf einem Felsvorsprung der Höhle die Ikone der Panagía. Vermutlich hatten welche der hunderten verschreckten und erschöpften Menschen, die sich in den Höhlen und Schluchten der Berge versteckt hielten, um dem fürchterlichen Blutvergießen nach der Landung von Hussein Bey (1824) mit den 2000 Arabern und Albanern zu entkommen, sie dort vergessen. Kostaroúlis brachte die Ikone in sein Haus nach Arvanitochóri, um ihr zusammen mit den anderen Ikonen die Kerze anzuzünden. Am nächsten Tag war die Ikone der Panagía aus seinem Haus verschwunden und in die Höhle zurückgekehrt, dorthin, wo er sie gefunden hatte … Das wiederholte sich zwei oder drei Mal. Er sprach mit seinen Dorfgenossen darüber. Diese meinten zu ihm, die Panagía wollte ihr eigenes Haus haben und nicht das seinige! So beschlossen die Bewohner von Arvanitchóri, loszugehen und den Eingang zur Höhle von den Büschen und dem Gestrüpp zu befreien und mit Trockensteinen einen Höhleneingang hochzumauern. Also die Höhle am Berghang umzubauen zu einer Kapelle und die Ikone der Panagía dort aufzustellen. Als sie aber versuchten, die Mauer bis zur Spitze der Höhle hochzuziehen und den Eingang ganz abzuriegeln, stürzte die Mauer von der Mitte bis oben zusammen … Das wiederholte sich einige Male, bis sie überlegten, es sei wohl der Wunsch der Panagía, dass der Zugang der Höhle nur halbfertig gebaut werde, so dass die Panagía von dort aus den Bach im Auge behalten könnte … Die Kapelle nannten sie «Panagía der Potamítissa» wegen dem Bach Skyllás [griechisch potamós = Fluss, Bach]. Um die Kirche für Gottesdienste nutzen zu können, bauten sie aus Steinen und Holz einen Altarraum und einen Altar. An der halbhohen Mauer brachten sie ein hölzernes Kreuz an und bestrichen es mit Kalkfarbe, damit man es gut erkennen konnte.
Potamítissa 1.JPG
Potamítissa 1.JPG (96.07 KiB) 241 mal betrachtet
Nach einem Bericht von Μιχάλης Κ. Σκουλιός ins Deutsche übersetzt von Karpathiote:
https://kasosnews.wordpress.com/2013/11 ... το-σκυλλά/
Zuletzt geändert von Karpathiote am Mi 22. Jul 2026, 12:16, insgesamt 8-mal geändert.
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Re: Die Potamítissa bei Arvanitochóri (Kásos)

Beitrag von Schängel Koblenz »

Vielen Dank für den Bericht und das du dir Mühe machst es zu übersetzen. :thumb-up:
Gruß Schängel Koblenz
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Die Anarágdes und die sechs Kirchen in Panagía (Kásos)

Beitrag von Karpathiote »

Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 3

Im Ort Panagía auf Kásos befinden sich am südlichen Ortsrand sechs aneinander gebaute Kirchen: Agios Charálambos, Megálos Antónios, Agia Kára, Agia Varvára, Agios Ioánnis und Agios Nikólaos. Die Volksüberlieferung bringt ihre Erbauung in einen Zusammenhang mit der Vertreibung von Aranádes (Nereiden).

Die Anarágdes oder Aranádes (Nereiden) sind die bekanntesten übernatürlichen Wesen in der Überlieferung von Kárpathos und Kásos. Sie sind von außergewöhnlicher Schönheit und leben gewöhnlich gruppenweise zusammen in einsamen Gegenden, in Flüssen, Höhlen und Wäldern. Erkennbar sind sie an ihrem Esels- oder Ziegenfuß. Sie sind nachts unterwegs und lieben die Lieder und den Tanz.

Eines Abends kam L. von Póli [Ort auf Kásos] von einem Fest mit seiner Lyra unter dem Arm. Als er schon nahe bei seinem Dorf Panagía war, sah er sechs Aranádes, die sich an den Händen hielten und tanzten und in ihrer Mitte war auch der „Stachel der Araná“. Er wollte sich verstecken, doch sie bemerkten, dass er eine Lyra dabei hatte, und sie nahmen ihn in ihre Mitte, damit er ihnen zum Tanz aufspielte.
Da sie ihn schon erwischt hatten, dachte L., es wäre besser, ihnen den Gefallen zu tun, damit sie ihm nicht übel mitspielten, und er hatte immer auch die Hoffnung, dass es bald tagen würde und er dann davonkommen könnte. Er stimmte also seine Lyra und spielte für sie, und sie tanzten und mittendrin tanzte auch der „Stachel“ völlig ausgelassen.
Der Lyraspieler gehörte zu den berühmten und der „Stachel“ wollte ihn mit sich nehmen. Sie fragte also die anderen Anarádes „soll ich ihn stechen oder soll ich ihn nicht stechen“, das heißt: soll ich ihn mit meinem Stachel stechen und ihn so auch zu einer Araná machen oder soll ich ihn nicht stechen? Da krähte plötzlich ein Hahn! Als das die Aranádes hörten, verschwanden sie.
Der Lyraspieler bekreuzigte sich, dass er so glimpflich davongekommen war, und danach bauten sie die sechs Kirchen, um die Aranádes auszutreiben, und jedes Mal, wenn sie eine Kirche gebaut hatten, verschwand eine Araná, bis dann alle sechs verschwunden waren. Deshalb wurden die sechs Kirchen in Panagía erbaut und sie stehen dort noch immer.

Zuerst auf deutsch veröffentlicht in: Märchen aus Karpathos und Kasos / herausgegeben und übersetzt von Markus List. -1. Auflage. - Hamburg : Edition Kentavros, 2024. - S. 72
Exi Ekklisies in Panagia k.JPG
Exi Ekklisies in Panagia k.JPG (49.94 KiB) 111 mal betrachtet
Eine Überlieferung über den Bau des Klosters Ai Giórgis in Chadiés (Gründungsmythen von Kirchen auf Kásos ; Nr. 4) wurde in der Fotopedia veröffentlicht und kann dort nachgelesen werden:
https://fotopedia.de/?page=Tourismus&se ... is-chadies
Sirtos
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Re: Die Potamítissa bei Arvanitochóri (Kásos)

Beitrag von Sirtos »

Kommt mir genau richtig.... :thumb-up: Danke!

Das Foto mit dem blauen Kreuz müsste aber um 90 Grad gegen den Uhrzeigersinn gedreht werden. ... :kopfkratz:
kasos_Mai2026_1213_klein.jpg
kasos_Mai2026_1213_klein.jpg (133.85 KiB) 154 mal betrachtet
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